Berlin : Autoaggressiv

Werner van bebber

VON TAG ZU TAG

sieht

die Berliner CDU auf Entzug

Machtverlust muss schlimm sein. Das sieht man an der Berliner CDU. Wenn eine Partei so in die Opposition gerammt worden ist, braucht sie nicht bloß Zeit, um wieder aufzustehen. Erst kommt die Demontage, die Phase der Aggressivität, die sich gegen den eigenen Verein richtet. Gerade versucht wieder einer, die Vorstandswahlen mit Gründen anzufechten, die kaum erklärbar sind (Seite 10). Kann sein, dass Joachim Zeller, mit gerade 52 Prozent vor nicht einmal zwei Wochen gewählt, ein Parteichef auf Abruf ist.

Der CDU, gesittet, ordentlich, brav und kleinbürgerlich, wie sie unter Eberhard Diepgen zu sein schien, hätten viele die Wut nicht zugetraut, die nun mancher wichtige und unwichtige Parteifreund freisetzt. Es ist eine Wut, die sich nicht im Politbetrieb und in der Oppositionsarbeit abreagiert, sondern im Nahkampf mit den eigenen Leuten. Ein Dahlemer CDU-Mann hält mit seinen Wahl-Anfechtungen die Partei in einem Zustand zwischen Mattigkeit und Zweifeln an der Zurechnungsfähigkeit einiger Parteifreunde. Weil in Dahlem eine Delegiertenwahl nicht korrekt gelaufen sein soll, wäre die Delegiertenwahl in der nächstgrößeren Organisationseinheit Steglitz-Zehlendorf auch nicht korrekt gewesen und in der Folge die ganze Vorstandswahl, die Zeller an Stölzls Stelle setzte und in der nur Optimisten die Chance erkennen, die selbstzerstörerische Phase zu beenden.

Weil die Partei kein Geld hat, kann sie sich nicht mal Antigewaltseminare für notorisch streitlustige Parteifreunde leisten. Doch könnte der Vorstand ein Foto von SPD-Landeschef Peter Strieder kaufen, der in diesen Zeiten so oft gut lachen hat, und als Postkarte an alle 14 000 Mitglieder versenden. Einfach so, als kleine Erinnerung.

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