Autobahn A 113 in Berlin-Neukölln eröffnet : Kunst aus Beton

Das Autobahndreieck Neukölln ist eröffnet. Als Erste fuhr eine Harley über die neuen Brücken

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Der Motor der Harley Davidson donnert und vibriert seit Minuten, dann endlich sieht Biker Wolf-Dieter Giese das Signal. „Bitte folgen“, steht auf der leuchtenden Anzeige des Polizei-Kombis. „Es geht los!“, ruft er und rollt auf dem Motorrad die Betontrasse hinab auf die neue Autobahn 113. Applaus, Applaus! Die Menschen winken, Giese lacht.

Es war 14 Uhr 28 an der Autobahnzufahrt Späthstraße, als der Spandauer als Erster die Autobahn entlangrollte. Auf seiner Harley hatte er mehr als eine halbe Stunde gewartet, er war „ein wenig aufgeregt“, sagte Giese. „Normal ist es ja nicht, eine nagelneue Fahrbahn zu benutzen.“ Auch Autos hatten an der Zufahrt gewartet, doch die Polizei ließ die Motorräder zuerst fahren – Giese vorneweg.

Drei Minuten Fahrspaß, so lange dauert es, die 2,3 Kilometer lange Autobahn zu benutzen. 125 Millionen Euro hat der Bund in das Dreieck Neukölln investiert, um die A 100/113 von der Buschkrugallee bis zu den Ausfahrten Grenzallee und Späthstraße zu verlängern. „Wir kommen Schönefeld näher“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge- Reyer (SPD). Im Herbst nächsten Jahres soll der nächste Abschnitt über vier Kilometer bis Adlershof freigegeben werden, 2007 der bis zur Landesgrenze. „Wir werden die Ausfallstraßen entlasten“, sagte Junge-Reyer. Bis zu 140 000 Autos werden auf der A 113 täglich erwartet. Die Bündnisgrünen jedoch bezweifeln die Entlastung, vor allem für Treptow.

Junge-Reyer begutachtete die Strecke vor der offiziellen Eröffnung vom Bus aus. Beim Aussteigen schwärmte sich von der Architektur und den vielen Kurven. „Das hat schon was von Kunst“, sagte sie. Elf Brücken haben die Arbeiter gebaut, um den Übergang von der Stadtautobahn zur parallel zum Teltowkanal verlaufenden A 113 zu realisieren. „Wir waren zügig, die Strecke ist hochmodern“, sagte sie. „Lassen Sie uns feiern.“

Von Süden und Osten wird die Innenstadt besser zu erreichen sein, doch die Autobahnplanungen sind damit nicht abgeschlossen. In einer ruhigen Minute sprach Junge-Reyer die von Speditionsverbänden „schnellstens“ geforderte Erweiterung der Stadtautobahn nach Norden an. „Wir halten uns diese Option offen“, sagte die Senatorin. Der Bund habe im Mai die Erweiterung zum Treptower Park als „hohe Priorität“ eingestuft und die Finanzierung zugesagt. Bis 2015 kann die Trasse bis Treptow demnach gebaut werden. Die Planungen seien aber in einem „sehr, sehr frühen Stadium“, sagte Junge-Reyer. Ob die Trasse später bis zur Frankfurter Allee geführt wird, sei ungewiss. „Ich kann derzeit keinen Bedarf erkennen.“

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