Berlin : Autofahrer mit Revolver bedroht

Täter hatte aus Angst vor Überfall Waffenlager an Bord / Polizei beschlagnahmte Wagen und Führerschein

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Von Werner Schmidt

Bei dem 54-jährigen Neuköllner gehörte die Pistole im Handschuhfach offenbar zur normalen Ausstattung seines Autos. Am Dienstagabend wurde er festgenommen nach dem er zuvor auf der Autobahn hinter der Anschlussstelle Kleinmachnow während eines Überholmanövers bei Tempo 160 die Waffe auf einen 39-jährigen Autofahrer gerichtet hatte. Dieser bremste aus Angst, beschossen zu werden, sofort ab. Deutlich zu schnell war der Mann zudem: Dort giltTempo 120.

Warum der 54-Jährige den Revolver zog, ist bisher nicht bekannt. Der bedrohte Autofahrer benachrichtigte unmittelbar nach dem Vorfall gegen 21 Uhr die Polizei in Brandenburg. Inzwischen hatte der Bewaffnete allerdings bereits die Grenze nach Berlin passiert und fuhr die Avus in Richtung Funkturm. Der alarmierten Berliner Autobahnpolizei gelang es, das Fahrzeug ausfindig zu machen und zu stoppen. Mit gezogenen Dienstpistolen holten die Beamten den 54-jährigen Rudower aus seinem Wagen. Er musste sich auf die Straße legen und wurde mit Handschellen gefesselt. Der Mann musste seinen Führerschein abliefern, die Waffen wurden sichergestellt und das Auto beschlagnahmt.

In dem Nissan des Mannes fanden die Polizeibeamten anschließend ein ganzes Waffenlager: In der Seitentasche der Fahrertür steckte eine Schreckschusspistole. Auf dem Boden vor dem Beifahrersitz lag ein schussfertiger Schreckschussrevolver mit einem geladenen Aufsatz für Signalpatronen. Vermutlich hatte der 54-Jährige diese Waffe bei dem Überholmanöver auf den Fahrer des Mercedes gerichtet. Hinter dem Beifahrersitz lag griffbereit ein Küchenmesser, am Gürtel trug der Festgenommene ein weiteres Messer mit einer feststehenden Klinge. Ein drittes Messer zogen die Beamten aus der Seitentasche der Fahrertür. In der Mittelkonsole des Wagens lagen eine Schachtel mit Schreckschusspatronen sowie drei Signalpatronen. Seine Bewaffnung begründete der Mann damit, dass er Angst vor Überfällen habe. Einmal sei er bereits Opfer geworden. Warum er den Autofahrer mit der Schusswaffe bedrohte, erklärte er nicht.

Seit Jahren beklagen Polizei und Verkehrsrichter, dass die Gewalt im Straßenverkehr steigt. Immer häufiger setzen streitende Verkehrsteilnehmer neben Fäusten auch Waffen ein. Im April 1996 bedrohte ein Autofahrer auf der Autobahn Berlin – Hannover ebenfalls während eines Überholvorgangs ein Ehepaar. Die Frau auf dem Beifahrersitz griff geistesgegenwärtig zum Fotoapparat und lichtete den Fahrer samt Pistole ab. Der Täter wurde später als 31-jähriger Berliner identifiziert. Ein Jahr später wurde in Tiergarten ein Autofahrer niedergestochen. Er hatte zuvor die beiden Täter, die provozierend langsam auf der Straße gegangen waren, aufgefordert zu verschwinden.

Im Dezember 2000 prügelte ein wütender Autofahrer in Neukölln einen 19 Jahre alten Mann vom Fahrrad und hielt dem am Boden Liegenden eine Gaspistole an den Kopf. Anschließend fuhr der Autofahrer seelenruhig nach Hause. Hintergrund war, dass der Autofahrer am Maybachufer über den Fußweg in eine Einfahrt wollte. Dabei soll der Radfahrer angeblich das Auto berührt haben. Allerdings wurden später keinerlei Kratzer gefunden. Der Autofahrer wurde zu einer Geldstrafe und zweijährigem Führerscheinentzug verurteilt.

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