Berlin : Autohändlerin Heidi Hetzer

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Ihr Arbeitszimmer ist ein kleines Museum voller Pokale, Plaketten und Erinnerungsstücke aus ihrem langen, bunten „Autoleben“. Sie selbst, drahtig, schlank und gut für engere Cockpits, zehn Jahre jünger aussehend, sprüht vor Lebenslust und Tatendrang. Am Telefon sagt sie für eine Ralley ab: Sie muss arbeiten! Das Geschäft, „Opel Hetzer“, das sie mit 31 nach dem Tod ihres Vaters mit vier Millionen Mark Schulden geerbt hat, fordert ganzen Einsatz. Der Wettbewerb in Berlin – zehn OpelHändler, die „großzügigen“ Werksvertretungen von BMW und Mercedes und hunderte anderer Anbieter, ist knallhart. Das Werk lässt den Händlern nur noch eine winzige Marge und es spricht sich nur langsam rum, „dass Opel heute so schöne Autos baut wie noch nie“. Mit ihren 135 Mitarbeitern verkauft sie mehr als 1000 Neuwagen im Jahr und etwa gleich viele Gebrauchtwagen. Der Umsatz von 60 Millionen Euro stammt zu 60 Prozent aus dem Neugeschäft und zu je 20 Prozent aus „Gebrauchten“ und aus Service und Reparaturen.

Die Existenzsorgen der „großen Mutter“ in Detroit machen das Leben zusätzlich schwierig. Unvorstellbar für sie, dass es GM und Opel nicht mehr geben könnte. Das wäre auch Hetzers Aus. Der Tochter, die nebenan arbeitet, und ihrem Sohn könnte Mutter Heidi kein blühendes Unternehmen mehr übergeben.

Die emsige Unternehmerin mag Herausforderungen. Als Mädchen eine Automechanikerlehre abzuschließen, das brauchte in den 50er Jahren Mut. Auch ihr „Ausbruch“ aus der Firma ihres Vaters, den sie sehr liebte, war ungewöhnlich. Mit 21 ist sie abgehauen und hat mit geborgtem Geld im Wedding eine eigene Autoverleihfirma aufgemacht. „Ich hafte nicht für die Schulden meiner Tochter“ las man daraufhin auf Aushängen bei Vater Hetzer. Erst in ihrem Jahr in den USA hat „Heidi from West-Berlin“ erfahren, was PR ist und wie man Autos verkauft. Ihren amerikanischen Mann hat sie aber später in Berlin kennen gelernt. Das erste Bowling-Center hat der hier betrieben. Zu ihm in seine Ein-Zimmerwohnung am Kurfürstendamm ist sie gezogen und hat dort ihre Tochter zur Welt gebracht. Nach 24 Jahren Ehe hat sie sich getrennt. „Er hat sich mehr für Golf als für mich interessiert.“ Befreundet sind sie immer noch und seinetwegen heißt sie eigentlich Heide Mackay.

Am Schluss fällt ihr ein, dass sie noch gar nichts über ihre 22 Oldtimer erzählt hat. Zu gerne würde sie die AVUS-Nordkurve, durch die sie früher mit ihrem Goggomobil gerast ist, jedes Jahr mit einer großen Oldtimer-Schau wieder beleben. Überhaupt Berlin: Sie könnte nie woanders leben! Vehement setzt sie sich Kinder und für den Sport ein. Für Fußballfans will sie 2006 Feldbetten in ihrer großen Werkshalle aufstellen. Das einzige was ihr fehlt, bedauert sie, ist Zeit. Aber das Herkules-Bergrennen in Kassel im Herbst will sie doch mitfahren.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels

Heidi Hetzer (67)

ist Inhaberin von

Opel Hetzer. Die 1933 gegründete Firma

ist Berlins traditionsreichster Opelhändler. Die Automechanikerin

sammelt Oldtimer und fährt gerne Ralleys.

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