Automatencasinos : Spielhallen im Glück

Einige Bezirke würden Automatencasinos am liebsten ganz verbieten. Doch der Senat macht nicht mit.

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Automatisch süchtig? Viele Bezirke wollen keine Spielhallen. Foto: ddp

Die Bezirke wollen im Kampf gegen die zunehmende Zahl von Spielhallen in Berlin nicht aufgeben: „Wir kapitulieren nicht“, sagte die Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Monika Thiemen (SPD). Von ihrem Rathaus ging zusammen mit dem Bezirk Mitte die Initiative aus, Spielhallen generell zu verbieten. Doch der Plan scheiterte an der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Bei der Prüfung bezirklicher Bauanträge mit entsprechenden Einschränkungen strich die Aufsichtsbehörde des Landes die Spielhallen-Verbote regelmäßig wieder heraus.

Die neue Debatte entzündet sich an Plänen der Bahn, zwei Spielhallen einen Mietvertrag im Bahnhof Zoo für eine Gesamtfläche von fast 300 Quadratmetern zu geben. Zuvor hatte eine Großspielhalle in Marienfelde Anlieger aufgeschreckt. Weniger umstritten ist eine weitere größere Spielhalle an der Neuköllner Hasenheide in der Neuen Welt, die bereits eine Tradition als „Vergnügungsstätte“ hat.

„Zwei weitere Bauanträge für Spielhallen haben wir abgelehnt“, sagt Wolfgang Borowski, Planungschef in Neukölln. Die Betreiber wollen die Hallen in der Karl- Marx-Straße südlich der S-Bahn öffnen – und legen nun Widerspruch gegen den ablehnenden Bescheid ein. Die Hallen sollten eine Fläche von 400 Quadratmeter haben. Nun sieht man sich möglicherweise vor Gericht wieder.

Im Neuköllner Baurecht sind Spielhallen in „Kerngebieten“ ohnehin ganz verboten. Doch die Betreiber sind wendig: „Sie weichen in die Seitenstraßen aus“, sagt Borowski. Dort lasse sich nicht immer alles verbieten. Das ist in Charlottenburg ähnlich: Bürgermeisterin Thiemen würde Spielhallen am liebsten grundsätzlich am Kurfürstendamm und in den Seitenstraßen verbieten – doch das Baurecht gibt das nicht her.

Dass die Bezirkspolitiker die Einrichtungen gerne verbieten würden, liegt zum Teil an deren Image: Einige stehen im dringenden Verdacht, „Geldwaschanlagen“ für Einkommen aus illegalen Geschäften zu sein, auch wenn sich das kaum nachweisen lässt. Hinzu kommt die Gefährdung junger Erwachsener durch das Spiel selbst: Die Automaten entfalten Suchtpotenzial. Und dann sind die grellen Leuchtreklamen an den Fassaden der Spielhallen ein Dorn im Auge der Stadtplaner – und der Anwohner.

Deshalb scheint der Trend dahin zu gehen, wie in Neukölln oder auch in Tempelhof-Schöneberg in einzelnen Lagen „Sperrbezirke“ für Spielhallen einzurichten: „Wir haben zwei Schwerpunkte im Bezirk, wo sie nicht weiter auffallen“, sagt der Baustadtrat von Tempelhof- Schöneberg, Bernd Krömer (CDU): am Nollendorfplatz und am Tempelhofer Damm. Dabei hätte auch Krömer lieber „höherwertige Nutzungen“ dort. Er sagt ganz offen: „Wir haben auf jeden Fall schon zu viele Spielhallen.“

Wie viele es genau in der Stadt sind, kann niemand sagen. Fachleute aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung waren für Rückfragen am Freitag nicht zu erreichen. ball

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