Autonome Aktionswochen : Tempelhof besetzen üben

Höhepunkt der "Aktionswochen": Der ehemalige Flughafen Tempelhof soll besetzt werden. Am Sonntag übten gewaltfreie Aktivisten – der Polizei machen andere Sorgen.

Christian van Lessen
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BerlinAuf ihren erklärten Höhepunkt steuern die von Autonomen ausgerufenen linken „Aktionswochen“ zu – die „öffentliche Massenbesetzung“ des einstigen Flughafens Tempelhof. Am Sonnabend soll der acht Kilometer lange Zaun „beseitigt“, zumindest überklettert werden. Am Sonntag luden die Initiatoren von „Squat Tempelhof“ (Squat heißt auch besetzen) in den Görlitzer Park zum „öffentlichen Aktionstraining“. Man wolle mit Spaß eine Strategie zum Überwinden hoher Zäunen üben, die Verletzungsgefahr gering halten, Körperkräfte erproben, sagte ein Mann, der sich Paul Timpel nannte und zu rund 20 jungen Leuten gehörte. Sie hatten sich eingefunden, um im Park herumzuklettern. Dabei wollten sie sich nicht oder nur ungern ablichten lassen.

Zuvor war der eingeladenen Presse versichert worden, dass man die Aktion am Sonnabend gewaltfrei plane und keine Konfrontation mit der Polizei wolle. Von ausgestreckter Hand war die Rede, von zivilem Ungehorsam. Ein Student, der sich als Peter Neurer vorstellte, sagte, es gehe doch nur um eine Wiese, die öffentlich zugänglich sein solle, nicht um ein Staatsgefängnis oder eine Militärbasis.Man wehre sich gegen Kommerz und Neubauten und gegen die Verdrängung von Anwohnern der Nachbarschaft. Alex und Julia sagten, sie planten keine Straftat, sondern eine politische Meinungsäußerung. Details wollen die Initiatoren am Dienstag mitteilen. Sie rechnen mit „mehreren tausend“ Teilnehmern der Aktion, die vermutlich von der Neuköllner Seite des Flughafens starten und den ganzen Tag bis in den späten Abend dauern wird. Die „Squat“-Vertreter versicherten, sie hätten mit brennenden Autos und anderen Gewalttaten der letzten Tage und Wochen nichts zu tun. Bei den Aktionswochen gebe es mehrere Gruppierungen ohne Kontakt untereinander. Sie selbst aber agierten gewaltfrei, das sei eine „klare Aussage“.

Erst in der Nacht zum Sonntag waren bei einem Brandanschlag in Marzahn drei Autos beschädigt worden, der Staatsschutz ermittelt. Am Sonntagmorgen schlugen Unbekannte Scheiben eines Bürogebäudes im „Mediaspree"“-Bereich an der Stralauer Allee ein, schleuderten Farbe gegen das Haus.

Die Polizei bereitet sich auf harte Tage vor, die „Aktionswochen“ dauern noch bis Sonntag. Im Internet wird beispielsweise zum Widerstand gegen die geplante polizeiliche Räumung des besetzten Hauses Brunnenstraße 183 am Donnerstag aufgerufen. In der letzten Woche gab es Anschläge auf Autos und Häuser, am Freitag wurde die Besetzung der einstigen Verdi-Zentrale am Michaelkirchplatz gewaltsam beendet.

„Der bisherige Verlauf der Action-Weeks gibt Anlass zu erhöhter Wachsamkeit und Sorge“, ließ Innensenator Ehrhart Körting (SPD) wissen. Zur Taktik der Polizei bei der geplanten Flughafenbesetzung wollte er sich nicht äußern. „Das unrechtmäßige Stürmen wird verhindert werden“, versicherte die Senatsverwaltung für Stadtenwicklung. Die Squat-Leute hatten Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) eingeladen, am Sonnabend „den größten Freiraum Berlins“ zu eröffnen. 

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