• Autonome Flugblätter geben Anlass zur Sorge - Anschläge auf "Nazilichtschau" angekündigt

Berlin : Autonome Flugblätter geben Anlass zur Sorge - Anschläge auf "Nazilichtschau" angekündigt

Jörn Hasselmann

Luxusrestaurants und Siegessäule stehen zu Silvester unter scharfer Bewachung. Denn Autonome werben im Internet, auf Flugblättern und zuletzt im Zentralorgan der Autonomen, dem "Interim", für Krawall. Der steht unter dem Motto "Classwar 2000" oder "www.mitessen.de". Zudem ist nach Tagesspiegel-Informationen jetzt ein Flugblatt aufgetaucht, in dem zu Anschlägen auf die Technik von "Art in Heaven" aufgerufen wird: "Keine Nazilichtschau an der Faschistensäule", heißt es. Ein Polizeibeamter sagte dazu: "Wir passen auf, dass keiner mit dem Bolzenschneider die Kabel durchknipst". Schon in den letzten Tagen war die Polizei am Großen Stern deutlich präsent. Wer hinter diesem - nur im "Mehringhof" gesichteten - Aufruf stecke, sei unklar.

Viel mehr als Flugblätter haben Polizei und Staatsschutz auch nicht über das angekündigte "Mitessen" oder "eat with the rich". 13 Restaurants und Gala-Empfänge werden mit Adresse (und Eintrittspreis) in den Aufrufen genannt. Darunter das Glaszelt am Reichtag, die Staatsoper, das "Vau" am Gendarmenmarkt, die Hotels Interconti, Esplanade und Four Seasons. "Gehen wir hin, wo die Wurst hängt. Rücken wir denen auf die Pelle, die es dicke haben", heißt es in den Aufrufen. Alle genannten Lokale werden überwacht, bestätigt ein Beamter. Genaues enthält die interne Lagebeurteilung der Polizei nicht: "Da steht auf drei Seiten drin, dass wir nichts wissen", meinte ein Beamter.

Die Polizei nimmt die Krawallankündigung zwar ernst, macht sich jedoch nicht allzuviel Sorgen. Die Hinweise hätten sich seit dem Sommer nicht verdichtet, heißt es. Zudem fehle "die starke Organisation" im Hintergrund. In der Tat sind sich die Autonomen-Grüppchen uneins: In der "Interim" grenzen sich die "Frauenlesben" von dem "männerdominierten Bündnis Mitessen" ab. Unter dem Motto "Haut den Bonzen auf die Säcke" sollen ebenfalls "Buffets abgeräumt" werden. "Die eine oder andere kleine Sache könnte passieren, aber wir schlafen noch ruhig" meinte ein hochrangiger Beamter. Die Drohungen der Autonomen seien angesichts von 1,5 Millionen Feiernden "harmlos". "Wenn tatsächlich ein Trupp in ein Hotel stürmt, sind wir schnell da und machen dem Spuk ein Ende."

Im September haben die Autonomen gezeigt, dass sie spontan zuschlagen können: Ungehindert drangen 60 Personen am Rande der "Reclaim the streets"-Demo in das Kaufhaus Lafayette ein, zertrümmerten die Einrichtung und plünderten die Ware.

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