Berlin : Autos brannten im Minutentakt – da griff die Polizei zu

Mutmaßlicher Täter ist ein 25-Jähriger mit vielen Kontakten in die linke Szene. Vor zwei Jahren saß er schon einmal in Untersuchungshaft

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In der Nacht zu Sonnabend wurde in Mitte ein mutmaßlicher Autobrandstifter festgenommen. Der 25-Jährige wurde von Zivilbeamten beobachtet, wie er sich in der Rosenthaler Straße an einem Audi A 5 zu schaffen machte. Als das Auto kurze Zeit später in Flammen stand, griffen die Fahnder „einige Meter weit vom Tatort entfernt“ zu, teilte das Präsidium am Morgen danach mit. Kurz zuvor waren in der Nähe zwei weitere brennende Fahrzeuge entdeckt worden – ein Geländewagen von BMW und ein Audi A6. Ermittler hoffen, dem 25-Jährigen auch diese Brandstiftungen nachweisen zu können. Am Sonnabendmittag wurde die Wohnung an der Krossener Straße durchsucht – das ist aber nur eine Scheinadresse, der Mann wohnt dort nicht.

Der 25-Jährige ist für die Ermittler kein Unbekannter.  Nur der Fall Alexandra R. hatte in den vergangenen beiden Jahren ähnlich viele Schlagzeilen gemacht wie der von Tobias P. Denn der Mann war bereits im November 2009 in Friedrichshain festgenommen worden unter dem Vorwurf der zweifachen Brandstiftung. 43 Tage saß P. in Untersuchungshaft, dann entließ ihn ein Richter, der „keinen dringenden Tatverdacht“ mehr sah.

Die linke Szene hatte seinerzeit innerhalb von Tagen eine massive Solidaritätskampagne für Tobias P. gestartet. Noch am Tag der Festnahme waren in Friedrichshain die beiden Hausprojekte „Liebig 14“ und „Liebig 34“ durchsucht worden; in einem der beiden Häuser in der Liebigstraße hatte P. gewohnt.

Entsprechend aufgeheizt verlief Tage später die sogenannte Silvio-Meier- Demo, die an den Tod eines Hausbesetzers erinnert. 2000 Sympathisanten skandierten damals „Freiheit für Tobias“; es flogen Flaschen und Steine auf Polizisten. Angemeldet wurde diese Demo von einer Abgeordneten der Linkspartei. In dem nun am gestrigen Sonnabend durchsuchten Haus lebte früher ein PDS-Abgeordneter, der zuvor lange Jahre die Silvio-Meier-Demo angemeldet hatte. Der Vater von Tobias P. gehörte bis zur Wahl vor einer Woche der BVV-Fraktion der Linkspartei in Lichtenberg an.

Noch am Sonnabend wurde Haftbefehl gegen Tobias P. erlassen. Bis dahin wurden die Ergebnisse der Durchsuchung und der Spurensicherung in ersten Untersuchungen ausgewertet. Auffallend sei, hieß es im Polizeipräsidium, dass in der Nacht zu Sonnabend in Mitte innerhalb weniger Minuten drei teure Automodelle in Flammen aufgegangen waren – in einem Radius von 150 Metern.

Zwar waren die Brandanschläge in den vergangenen Wochen seltener geworden, dennoch reduzierte die Polizei die Zahl ihrer Brandstreifen nicht. Das hatte in der Nacht zu Sonnabend den Vorteil, dass die Bundespolizei sehr schnell am Tatort in der Joachimstraße war. So entdeckten die Zivilfahnder den Tatverdächtigen und observierten ihn daraufhin. Der Mann lief unter anderem auch durch die Gormannstraße,  in der Minuten später Flammen aus dem BMW schlugen. Wie berichtet, vergehen nach einer Brandstiftung mittels Grillanzünder mehrere Minuten, bis die Flammen zu sehen sind.

Die Internetseite „Freiheit für Tobias“ existiert noch, auch jetzt wird mit Solidaritätsbekundungen gerechnet. Das erste Verfahren ist juristisch noch nicht abgeschlossen. Denn die Verteidiger von Tobias P. hatten das Angebot des Gerichts im Mai zur Einstellung nicht akzeptiert. Sie wollen einen echten Freispruch erstreiten – und Haftentschädigung für ihren Mandanten. Jörn Hasselmann

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