Berlin : Autowaschen im Hauptbahnhof

Die Bahn verbessert den Service in ihrem Vorzeigeprojekt. Für eine zweite Toilettenanlage sieht der Pächter jedoch keinen Bedarf

Klaus Kurpjuweit

Er wird. Nach und nach bekommt der Hauptbahnhof, der vor allem ein großes Einkaufszentrum ist, auch die Dinge, die ein Bahnhof benötigt. Am Dienstag will die Bahn auch am Südeingang einen „Service-Point“ eröffnen, an dem Fahrgäste und Besucher Auskünfte aller Art erhalten. Eine zentrale Anzeigetafel mit den Abfahrtszeiten der Züge ist bereits nachträglich installiert worden. Warum beide am Südeingang ursprünglich nicht vorgesehen waren, kann – oder will – heute keiner mehr sagen.

Ebenfalls vom 1. August an gibt es auch im Parkhaus mit seinen 900 Stellplätzen ein zusätzliches Angebot. Dann kann man dort sein Auto waschen oder in einer Werkstatt reparieren lassen. Hinweise, wie es zum Parkhaus geht, sind in der Zwischenzeit innerhalb des Bahnhofs bereits ergänzt worden. Wagen zum Transport von Gepäck soll es im Parkhaus demnächst ebenso geben wie ein Fahrzeug, mit dem Behinderte den Weg zwischen Auto und Zug zurücklegen können, kündigte die Geschäftsführerin der DB BahnPark GmbH, Gabriele Göbel, jetzt an.

Anzunehmen, dass bei einem so großen Projekt bereits zur Eröffnung alles bestens funktioniere, wäre vermessen, sagte gestern Bahnhofsmanagerin Julia Theurkauf. Insgesamt ist sie aber sehr zufrieden. In den beiden ersten Monaten seit der Aufnahme des regulären Betriebs am 28. Mai seien rund 20 Millionen Besucher in den Hauptbahnhof gekommen.

Wie viele davon auch in Züge gestiegen sind, konnte Theurkauf noch nicht sagen. Fest stehe aber, dass die Zahl der Fahrgäste im Fernverkehr seither zugenommen habe. Exakte Zahlen könne man aber noch nicht nennen.

Unabhängig vom Riesenandrang zu Beginn des Betriebs seien im Bahnhof insgesamt rund tausend Arbeitsplätze geschaffen worden; darunter etwa 300 bei der Bahn AG, so Theurkauf weiter. Allein 20 Ingenieure kümmern sich Tag für Tag um die komplizierte Technik und die aufwändigen Sicherheitsanlagen. Rund 100 Mitarbeiter werden für die Wartungsarbeiten eingesetzt. 76 Reiniger halten den „Glaspalast“ sauber, in dem es bisher fast keine Vandalismusschäden gegeben hat. Der Servicebereich, in dem die Bahn mit 40 Mitarbeitern angetreten war, ist um ein Drittel aufgestockt worden.

Den angekündigten Bau einer zweiten Toilettenanlage wird es dagegen zunächst nicht geben. Der Pächter der vorhandenen Anlage sehe dafür im Alltagsbetrieb derzeit keinen Bedarf, so Theurkauf. In den ersten Tagen war es bei der einzigen Anlage zu langen Wartezeiten gekommen; die Bahn hatte deshalb vorübergehend auch die Toiletten geöffnet, die Mietern der Geschäfte vorbehalten sein sollten.

Noch nicht eingebaut sind Teile des abgerissenen Lehrter Stadtbahnhofs der S-Bahn, was die Bahn versprochen hatte. Möglicherweise finden die Mauerbruchstücke und Gemälde in einer geplanten DB-Repräsentanz im Hauptbahnhof Platz.

Neue Aufgaben zeichnen sich für den Projektleiter ab, der den Bahnhof pünktlich übergeben hat. Hany Azer soll nun den Umbau des S-Bahnhofs Ostkreuz betreuen, der im Herbst beginnen soll. Auch für den Bau des Flughafenbahnhofs in Schönefeld ist Azer im Gespräch. Beide Projekte haben, wie es auch beim Hauptbahnhof vor Azers Antritt war, erhebliche Verspätungen.

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