Berlin : Avi Primor kündigt Grundsteinlegung des Neubaus in Wilmersdorf erst für September an

Alexander Pajevic

Seit dem gestrigen Freitag gibt es eine israelische Botschaft in Berlin: In den Räumen des ehemaligen israelischen Generalkonsulats nahm der scheidende Botschafter Avi Primor - er wird Deutschland am 15. August verlassen - seine Amtsgeschäfte auf. Bei einem Pressegespräch nannte Primor gestern die Unterbringung in der Schinkelstraße ein Provisorium. "Heute stellen wir nur fest, dass wir in Berlin sind. Das ist keine Zeremonie, sondern nur eine Tatsache."

Eine offizielle Einweihung wird es erst im September geben. Dann soll auch die Grundsteinlegung für den Neubau eines Botschaftsgebäudes in der Wilmersdorfer Auguste-Viktoria-Straße erfolgen. Zu diesem Anlass wird der israelische Außenminister nach Berlin kommen. Wahrscheinlich, so Primor, werde auch sein deutscher Kollege an dem Festakt teilnehmen. Ursprünglich war dafür schon der 28. Juli vorgesehen. Auf Grund der Entwicklungen im Nahen Osten wurde der Termin jedoch verlegt.

Die neue Botschaft soll bereits im kommenden Jahr bezogen werden können. Primor kündigte an, dass die Sicherheitsmaßnahmen des Neubaus "keineswegs" so deutlich sichtbar sein würden wie in der Schinkelstraße, wo das Gebäude wie eine Festung abgeriegelt ist. Die Anlagen würden unterirdisch installiert. "Die Nachbarn werden nichts merken können", sagte er.

Im vergangenen Jahr hatte es Proteste aus der Nachbarschaft gegen das Bauvorhaben gegeben. Primor hatte damals Verständnis dafür geäußert. "Dass Nachbarn vor einer israelischen Botschaft Angst haben," sagte er gestern, "hat nichts mit der Vergangenheit zu tun, sondern damit, dass wir von Terror bedroht sind und die Nachbarn nicht darunter leiden wollen." Es seien jedoch die notwendigen Vorkehrungen getroffen und der Protest daraufhin zurückgezogen worden. Bis zum Umzug in den Neubau wird die ehemalige Botschaft Israels in Bonn als Außenstelle weiter genutzt werden; die gesamte Konsularabteilung ist wegen der beengten Platzverhältnisse in der Schinkelstraße vorläufig dort geblieben.

Der Umzug nach Berlin bedeute einen "Neuanfang", sagte Primor. "Für uns war Deutschland Bonn, nicht Berlin". Auch in Ost-Berlin hatte es keine israelische Botschaft gegeben, da die DDR Israel als Staat nicht anerkannte. Mit Berlin verbänden sich nicht nur die Erinnerung an das Dritte Reich, so Primor, sondern auch daran, dass Berlin einst ein wichtiges jüdisches Zentrum gewesen sei.



Er sprach davon, dass sich "wunderbare" Beziehungen zwischen Deutschland und Israel entwickelt hätten. "Es soll so weitergehen", sagte er. Die Zukunft liege jedoch nicht nur in den bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern, sondern zwischen Israel und der Europäischen Union. Israel müsse in die EU eingebunden werden, und man habe in der Partnerschaft mit Deutschland schon einen Anker in dieser Zukunft. Noch sei unklar, sagte Primor, wer sein Nachfolger werde.

Die Regierung sei derzeit zu sehr mit anderen Angelegenheiten beschäftigt; er selbst wisse auch keinen Kandidaten. Unter der alten Regierung sei der ehemalige Parlamentspräsident für diesen Posten vorgesehen gewesen; diese "politische Besetzung" sei jedoch durch das Wahlergebnis hinfällig geworden. Für die Übergangszeit wird der Gesandte der Botschaft, David Walzer, als Geschäftsträger fungieren.

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