Axel-Springer-Straße : Das teuerste Pflaster Berlins

90 Meter Länge, 11,4 Millionen Euro Baukosten: Die Verlängerung der Axel-Springer-Straße zwischen Kreuzberg und Mitte erregt die Gemüter: Nach einem einjährigen Baustopp häufen sich nun auch noch Klagen gegen das Projekt.

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Berlin - Im Kern geht es nur um eine etwa 90 Meter lange Verbindungsstraße zwischen Mitte und Kreuzberg am Spittelmarkt. Doch der Streit über die Verlängerung der Axel-Springer-Straße hat die Bauarbeiten bereits ein Jahr verzögert. Nun klagten auch noch Anwohner und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Der Senat will an seinen Plänen trotzdem festhalten. Ab März 2011 sollen die Bauarbeiten des etwa 11,4 Millionen Euro teuren Projekts beginnen, im Frühjahr 2012 alles fertig sein.

Claudia Hämmerling, die für die Grünen als Verkehrsexpertin im Abgeordnetenhaus sitzt, hat sich die Kosten in einer Kleinen Anfrage vom Senat aufschlüsseln lassen. Der Preis pro laufendem Meter sei „nahe bei den Baukosten der U55, der teuersten U-Bahn Deutschlands“, vermutete Hämmerling darin. Die Axel- Springer-Straße werde „zum teuersten Pflaster Berlins“. Rechnerisch dürften die Kosten pro Meter etwas niedriger liegen. Denn im Gesamtpreis ist nicht nur der Neubau der 90 Meter langen Trasse enthalten, sondern auch der vierspurige Ausbau der Axel-Springer-Straße auf 277 Metern.

Doch die Kosten bleiben hoch und die neue Straße, sagt Hämmerling, verschlimmere nur die Verkehrssituation am Spittelmarkt. Der Senat hingegen sieht mit dem Bau eine Lücke im innerstädtischen Hauptverkehrsnetz geschlossen. Umwege könnten vermieden und der Verkehr in den angrenzenden Straßen reduziert werden. Außerdem sei die Straße wichtig für die weitere Erschließung verschiedener Grundstücke in diesem Bereich. Mit diesen Plänen stößt der Senat selbst bei seinen Gegnern auf Sympathien. Denn grundsätzlich befürwortet der BUND den Bau der Verbindung.

Aber warum dann die Klage? Martin Schlegel, Verkehrsreferent des Berliner BUND, bezeichnete die Trasse zwar als sinnvoll, weil damit der historische Straßenverlauf wiederhergestellt werde. Vier Spuren seien für das Verbindungsstück aber völlig überdimensioniert. Dadurch erhöhe sich nur das Verkehrsaufkommen, Feinstaubwerte und Lärm stiegen. Weil der Senat diese Bedenken „einfach weggewischt“ habe, klage man nun zusammen mit Anwohnern, damit die Straße nur zweispurig werde, erklärt Schlegel.

Die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Petra Rohland, widerspricht: „Alle notwendigen Maßnahmen wurden getroffen.“ Man gehe davon aus, dass keine Grenzwerte verletzt würden. Tatsächlich entfallen allein mehr als 7,5 Millionen Euro der Gesamtkosten auf Lärmschutzmaßnahmen. Der ADAC teilt die Bedenken des BUND nicht. Der Leiter der Abteilung Verkehr, Jörg Becker, hält die vier Spuren gar für umweltfreundlicher. „So können wir CO2-Ausstoß vermeiden, weil es weniger Staus gibt.“ Auch verkehrspolitisch sei die Maßnahme sinnvoll. Durch zahlreiche Baustellen im kommenden Jahr sei die Ost- West-Verbindung ohnehin stark eingeschränkt und könne mit der neuen Straße verbessert werden. Sidney Gennies

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