Berlin : Axel Stüber hat sich auf die Fertigung der Urberliner Instrumente spezialisiert

Steffi Bey

"Vor sich hinleiern kann jeder", sagt Axel Stüber. Vielmehr ist es eine Kunst, eine Drehorgel zu bedienen. Er hantiert dabei mit den Registern, lässt den einen oder anderen Ton länger nachhallen und bewegt die Kurbel unterschiedlich schnell. Wie man eine Drehorgel spielt, hat seiner Meinung nach etwas mit dem Verhältnis zu dem Instrument zu tun. "Man muss es mögen und auch ein wenig Ahnung vom Innenleben des wertvollen Holzkastens haben." Und beides trifft auf Stüber zu. Denn der 45-Jährige betreibt Berlins einzige Drehorgelfabrik. Anfang der 90er Jahre hat sich der gelernte Orgelbaumeister auf diese Automaten spezialisiert.

Ungefähr 50 Drehorgeln fertigt er jährlich mit seinen drei Mitarbeitern in der Biesdorfer Werkstatt. Neun verschiedene selbstentwickelte Typen sind im Angebot: Da gibt es nur 7,5 Kilogramm schwere zum Umhängen und ganz große mit immerhin 69 Pfeifen, die genau so viele unterschiedliche Tonstufen erzeugen. Es sind faszinierende Schmuckstücke, die hier entstehen: Farbige Ornamente zieren brasilianisches Palisanderholz und im oberen Teil des Kastens glänzen vergoldete Messingpfeifen.

Die Instrumente sind Lochband gesteuert. Auf solch einem 30 Meter langen Band sind bis zu zehn Minuten Musik "gespeichert" von volkstümlichen Liedern bis zu Klassik. Der Fachmann hat 380 Titel im Angebot.

Nicht nur an deutsche Kunden liefert der Drehorgelbauer seine Instrumente, sondern auch in die USA und nach Japan. Manchmal werden sie auch verliehen, so wie dieser Tage nach Peking, anlässlich eines Berlin-Abends. Auch Berliner Drehorgelprominenz lässt sich bei Stüber blicken - "Orgel-Theo" und "Jubel Jette" gehören dazu. "Der Liedermacher Gerhard Schöne hat auch schon bei mir gekauft", erinnert sich Stüber. Natürlich hat so ein handgearbeitetes Wunderwerk, für das mindestens 100 Arbeitsstunden nötig sind, seinen Preis: Mit etwa 6000 Mark muss man schon rechnen. Dafür hält ein Instrument mindestens 150 Jahre.

An vielen Wochenenden ist Stüber mit seinen Freunden aus dem Verein "Internationale Drehorgelfreunde Berlin" unterwegs und stellt seine Instrumente zur Schau. Etwa 1200 Menschen betreiben in Deutschland das Drehorgeln als Hobby. In Berlin gibt es fünf hauptberufliche Spieler und 150 Sammler.

Stüber kann sogar am Klang erkennen, welches Instrument aus seiner Werkstatt stammt. Schließlich tönt es aus seinen Kästen typisch berlinisch: grell und laut. Aber er mag es überhaupt nicht, wenn jemand dazu Leierkasten sagt - denn das sind für ihn verstimmte Drehorgeln.

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