Berlin : Axt dabei

Werner van Bebber

erwartet, dass die Bereitschaft zum Zuschlagen noch steigt Es ist eher ein Gefühl als eine statistische Wahrheit. Polizisten sprechen davon. Angestellte im Arbeitsamt und Busfahrer erleben es: Plötzlich rastet einer aus, schreit herum – und schlägt zu. Oder zückt die Axt und zertrümmert einen Schreibtisch. So geschehen in Neukölln. Ist das ein steigender Pegel der Gereiztheit? Oder sich langsam ausbreitender Irrsinn? Oder Wut, die schwelt? Über die Politik? Die Arbeitslosigkeit? Das Leben im Allgemeinen? Hartz IV? Oder ist es einfach – Großstadt? Kein Wunder, dass es in Berlin erheblich gereizter zugeht als vor fünfzehn oder zwanzig Jahren. Berlin ist – unter anderem – zur Hauptstadt der Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger geworden. Daran wird sich auf die Schnelle nichts ändern. Was niemanden tröstet, der beschimpft oder bedroht wird, weil er das Arbeitsamt repräsentiert. Womöglich kommen noch härtere Zeiten. Dann werden Sicherheitsdienste die Arbeitsämter bewachen. Das sind dann eben Kosten des Sozialstaats.

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