Babelsberger Hofgärtnerei : Des Kaisers neue Äpfel

Die Babelsberger Hofgärtnerei soll wiederhergestellt und geöffnet werden. Vielleicht erlebt eines Tages auch der Kaiser-Wilhelm-Apfel eine Renaissance.

Sarah Kugler
Liebliches Obst. Der Kaiser-Wilhelm-Apfel soll nach Rosen schmecken. Der aus dem Bergischen Land stammende Carl Hesselmann benannte das Obst 1875 nach Wilhelm I., der es in Potsdam anbauen ließ.
Liebliches Obst. Der Kaiser-Wilhelm-Apfel soll nach Rosen schmecken. Der aus dem Bergischen Land stammende Carl Hesselmann...Foto: Klaer

Knackig und süß-säuerlich ist er: Doch kaum jemand kommt in den Genuss des schmackhaften Kaiser-Wilhelm- Apfels, der zurzeit etwas verloren an den Obstbäumen in der Hofgärtnerei im Park Babelsberg reift. Um das zukünftig zu ändern, soll die Hofgärtnerei, die Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet wurde, wieder in Betrieb genommen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zu diesem Zweck hat die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) einen Kooperationsvertrag mit dem „Förderer der königlichen Hofgärtnerei e.V.“ geschlossen.

„Wir haben hier die größte und schönste Hofgärtnerei und ich bin sehr froh, dass sie langsam wieder wachgeküsst wird“, sagte Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der SPSG. Im Jahr 2012 hat sich der Förderverein auf Initiative des Radiologen Alwin Scholz gegründet. Inzwischen gibt es 15 aktive Mitglieder, die in Potsdam und Berlin leben. „Um die Gewächshaus- und Gartenanlagen wiederherzustellen wird es einiges an Entwicklungsarbeit bedürfen“, sagt Scholz. Damit die Gärtnerei zugänglich wird, soll als erstes das historische Eingangstor im hinteren Teil der Anlage repariert werden. Die Pforte ist in ein Gewölbe eingelassen, dessen Mauerwerk erst noch gesichert werden muss. Das Gewölbe diene, wie auch die Mauern dahinter, als Windfang, erläuterte Dirk Dorsemagen, Architekt bei der Schlösserstiftung, und schütze Aprikosen- und Pfirsichbäume.“ Insgesamt 10 000 Euro wird die Instandsetzung des Gewölbes kosten. Mit der Fertigstellung rechnet der Verein in ein bis zwei Jahren.

Nach und nach soll dann auch die restliche Hofgärtnerei wieder instand gesetzt werden. Bereits in den zurückliegenden Monaten haben Teilnehmer an einem Arbeitsförderungsprogramm die Hofgärtnerei aufgeräumt. In Handarbeit wurde unter anderem Wildwuchs beseitigt, die Rasenanlagen kultiviert und historisches Pflaster freigelegt.

Die Hofgärtnerei war im 19. Jahrhundert einer der Hauptobstlieferanten für die königliche Tafel. Derzeit ist Katrin Schröder, Kustodin der Gartendenkmalpflege, dabei, die noch erhaltenen Obstbäume zu bestimmen. Darunter befinden sich Aprikosen-, Pflaumen-, Birn- sowie Sauer- und Süßkirschbäume. Und natürlich der Kaiser-Wilhelm-Apfel, der eines Tages vielleicht eine Renaissance erlebt.

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