Berlin : Babus letzter Auftritt

hema

Im Affenhaus ist es auffällig still. Vor einem der Käfige stauen sich Zoo-Besucher flüsternd vor der Glasscheibe. Dahinter liegt "Babu" im Sterben - mit mehr als 50 Jahren die älteste Äffin, die in einem deutschen Zoo lebt. Wie alt das rot-graue, zottelige Orang- Utan-Weibchen genau ist, weiß niemand. "Als 1952 die damalige Direktorin Katharina Heinroth das Tier aus Sumatra mitbrachte, war es von kleinem Wuchs, aber schon erwachsen", sagt gestern Chef-Tierpfleger Reimon Opitz im Affenhaus.

Mehrmals täglich schaut er dort jetzt nach "Babu". Das machen alle Zoomitarbeiter, seitdem sich die "alte Dame" - so nennt Opitz respektvoll seinen altersschwachen Pflegling - kaum noch bewegt. Mitten im Käfig hat sich "Babu" ein Strohlager gebaut, auf dem sie seit Dienstag teilnahmslos liegt und mit müden Augen aus dem faltigen Gesicht über die Besucher hinweg sieht, die sich neugierig vor ihrer Scheibe drängen.

Sie hat kein Interesse mehr. Auch nicht am Affenbesuch, der sie am Dienstag in ihrem Käfig etwas aufmuntern sollte. "Shinta merkte, dass etwas nicht stimmt, wir mussten sie wieder rausnehmen", sagt Opitz, der Herr der Affen. Dabei sei "Babu" früher ein Wildfang gewesen, zwar menschenscheu, aber immer freundlich. Vier Mal hat sie Nachwuchs groß gezogen, ihr Orang-Utan-Partner "Tuan" ist schon vor 15 Jahren in die ewigen Jagdgründe eingeangen.

Jetzt macht sich "Babu" auf den Weg. Seit etwa einer Woche ist das Orang-Utan-Weibchen auffällig. Wegen einer Kreislaufstörung kann es sich kaum noch auf den Beinen halten, auch das Schlucken fällt ihm schwer. Mit flüssiger Astronautennahrung, einem Dosenmilch-Cocktail, weichen Brötchen, Ananas und Mandarinen wird das Tier liebevoll gepäppelt. "Es fehlt ihr ja nichts. Es ist einfach wie bei einem hundertjährigen Menschen."

Sterben soll "Babu" dort dürfen, wo sie ihr Leben verbrachte - in ihrem Käfig im Zoo-Affenhaus - und vor Publikum. "In ihrer gewohnten Umgebung in Ruhe einschlafen zu dürfen, das hat sie sich verdient. Wenn wir sie isolieren würden, regte sie das nur auf", sagt Reimon Opitz. Den überschütten gegenwärtig die Berliner mit Telefonaten und Briefen. Die einen trösten sich und den Pfleger schon über den bevorstehenden Tod Babus als "den Weg allen irdischen Seins", andere eifern, man solle dem "armen Tier mit einer Spritze das Sterben erleichtern". Letzteres käme nur in Frage, wenn der Zoo-Tierarzt merkte, dass Babu Schmerzen hat. "Babu ist nicht krank. sie ist nur sehr alt." Älter, als je ein Orang-Utan in freier Natur wurde - zwischen 35 und 40 Jahren ist dort die Lebenserwartung der Affen. Auch der Flusspferde. "Bulette" im Zoo wird in diesem Jahr 50 - zum deutschen Zoo-Rekord fehlen ihr dann noch zehn Jahre.

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