Berlin : Baby vor seinem Tod misshandelt – Eltern in Haft

Bei Obduktion wurden schwerste Verletzungen entdeckt. Auch ein 18-Jähriger soll sein drei Monate altes Kind geschlagen haben

Tanja Buntrock

Zwei schwere Fälle von Kindesmisshandlung in Berlin sind gestern bekannt geworden: Bereits Ende vergangener Woche hat ein aus Ägypten stammendes Ehepaar aus Schöneberg Haftbefehl erhalten, nachdem Gerichtsmediziner bei dem zuvor wegen „plötzlichen Kindstodes“ verstorbenen Babys des Paares schwere Misshandlungen entdeckt hatten. Gleichzeitig wurde gestern ein 18-jähriger Deutscher aus Köpenick vorläufig festgenommen, weil er seinen drei Monate alten Sohn misshandelt haben soll. Der Mann bestreitet die Tat. Er erhielt laut Justiz Haftverschonung, Meldeauflagen und ein Kontaktverbot zu Mutter und Kind.

Im ersten Fall war der knapp vier Monate alte Säugling aus Schöneberg am 10. September am „plötzlichen Kindstod“ gestorben. Vier Tage später erfolgte die Obduktion. Dabei hätten die Gerichtsmediziner „schwerste Misshandlungen“ am Körper des Kindes entdeckt, die es zu unterschiedlichen Zeitpunkten erlitten habe. Der Tod des Kindes sei aber keine direkte Folge der Verletzungen, sagte Justizsprecher Michael Grunwald. Misshandelt wurde offenbar auch der zweijährige Bruder des Babys. „Bei ihm wurden ebenfalls Verletzungen entdeckt“, sagte Grunwald. Ein Richter erließ Haftbefehl gegen den 46-jährigen Vater und die 30-jährige Mutter. Das zweijährige Kind befinde sich in der Obhut des Jugendamtes.

Im Fall des drei Monate alten Säuglings aus Köpenick hatte die 18-jährige Mutter des Kindes am Freitagnachmittag beim Baden des Babys diverse Blutergüsse an seinem Körper entdeckt. Diese alarmierte die Feuerwehr, die einen Krankenwagen zur Wohnung der Frau in die Grünstraße schickte. Der Arzt entdeckte schwere Misshandlungen an Kopf, Rücken, Gesäß und an den Oberschenkeln des Säuglings. Er wurde ins Krankenhaus Neukölln gebracht. Lebensgefahr bestand nicht, wie die Polizei sagte.

Die Kripo-Ermittlungen ergaben, dass die Mutter tagsüber unterwegs gewesen war. Der 18-jährige Lebensgefährte und Vater des Kindes hatte den Sohn betreut. Als seine Lebensgefährtin zurückgekehrt war, habe er ihr nach Angaben der Polizei erzählt, sie brauche sich wegen der Rötungen im Gesicht des Jungen keine Sorgen zu machen: Eine Erkältung sei im Anflug. Doch die Misshandlungen sprachen dagegen. Deshalb wurde der 18-Jährige festgenommen.

Während der Vernehmung bestritt der Beschuldigte die Tat. „Wir haben bislang keinen Anhaltspunkt, dass die Mutter etwas mit der Tat zu tun haben könnte“, sagte ein Ermittler. Zudem war von der Kripo zu hören, dass beide Elternteile „noch jünger wirkten, als sie sind“. Das Baby, das weiterhin stationär behandelt wird, ist mittlerweile in der Obhut des Jugendamtes. „Die Mutter lebte mit dem Baby im betreuten Einzelwohnen, das von uns organisiert wurde: Das heißt, einer unserer Familienhelfer kam dreimal pro Woche, um die junge Mutter zu unterstützen“, sagte Jugendstadtrat Joachim Stahr (CDU). „Dass dort auch der Vater des Kindes zeitweise lebte, war uns nicht bekannt“, sagte er. Bislang habe es auch keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass die Mutter den Sohn vernachlässigt habe. Das Jugendamt hat die Mutter benachrichtigt: Bis Donnerstag soll sie sich zu einem Gespräch mit dem Jugendamt in Verbindung setzen. „Wir werden das Kind zunächst für einige Wochen zu einer Pflegefamilie geben“, schildert Stahr. „Dann werden wir nochmal mit der Mutter reden und abwarten, was bei den Ermittlungen herauskommt.“

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