Berlin : Baby zu Tode geschüttelt – dreieinhalb Jahre Haft

21-jähriger Vater wollte sein Kind wecken. Aber er hätte wissen müssen, wie gefährlich sein Tun war, urteilt das Landgericht

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Mit gesenktem Kopf nahm der aus Warschau stammende Germanistikstudent den Richterspruch auf. Der junge Vater hatte seinen vier Monate alten Sohn zu Tode geschüttelt. Es war aus Sicht der Richter kein missglückter Rettungsversuch. Der 21-Jährige sei ein gebildeter Mensch. Er hätte wissen müssen, wie gefährlich heftiges und mehrfaches Schütteln für ein Baby ist, hieß es im Urteil. Lukasz D. wurde der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen. Das Landgericht verhängte eine Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten.

Lukasz D. hatte im Prozess unter Tränen von der Nacht zum 2. November berichtet. Nicht Selbstmitleid bestimmte seine Aussage, sondern Entsetzen über das, was er angerichtet hatte. „Dass ein Kind schreit, ist doch normal“, sagte der junge Vater. „Mein Kind hat mich nie genervt“, versicherte er. Dann räumte er ein, dass er seinen Jungen geschüttelt habe. „Ein oder zwei Mal, weil er reglos war. Ich dachte, dass ich etwas Gutes gemacht habe“, schluchzte der Angeklagte. Der kleine Alex erlitt Hirnblutungen. Er starb drei Tage später an den Folgen.

Lukasz D. galt bis zu jener Nacht als guter und liebevoller Vater. Damals aber war er das erste Mal längere Zeit allein mit dem Baby in der Lankwitzer Wohnung seiner Lebensgefährtin. Die 20-jährige Mutter war für ein paar Tage zu Verwandten nach Polen gereist. Alex schrie in jener Nacht mehr als gewöhnlich. Immer wieder stand der junge Vater auf, um seinen Sohn zu beruhigen. Er beschrieb im Prozess, wie er den Kleinen schaukelte, wie er ihn fütterte, wie er mit ihm spielte und ihn wieder in sein Bettchen legte. Durch ein ungewöhnliches Strampeln will der Vater dann erwacht sein. Alex sei blass und leblos gewesen, sagte der Angeklagte. „Ich wollte ihn wecken, wollte ihn retten.“ Doch das laut Gutachten intensive und massive Schütteln sei keine Hilfshandlung gewesen, hieß es im Urteil. Die Richter gingen davon aus, dass D. in jener Nacht objektiv überfordert war. Bis zur Ladung zum Strafantritt bleibt er auf freiem Fuß, den Haftbefehl hob das Gericht auf. Lukasz D. wolle nun zum Grab seines Kindes nach Polen reisen, sagte sein Anwalt. K. G.

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