Berlin : Babyklappenmord: Jetzt wird die Staatsanwaltschaft aktiv

Ungenutzte DNA-Proben sollen endlich analysiert werden

Jörn Hasselmann

Die Kriminalpolizei wird heute die Akten im Babyklappenmord der Staatsanwaltschaft übergeben. Vermutlich schon in der nächsten Woche will die Justiz dann entscheiden, ob und wo die 456 jetzt vorliegenden DNA-Proben des Personals des Krankenhauses Waldfriede und anderer Verdächtiger analysiert werden, sagte Justizsprecher Björn Retzlaff. Der Tagesspiegel hatte gestern darüber berichtet, dass die DNA-Proben seit Monaten unbearbeitet bei der Kripo lagern, weil die Staatsanwaltschaft bisher kein Geld für die Analyse bereitstellen wollte.

Am Montag hatte Retzlaff noch erklärt, die Justiz gehe davon aus, dass das Polizei-Labor die Proben analysiere. Dann würde die Polizei die Kosten tragen müssen. Doch die Polizeitechnische Untersuchungsstelle ist völlig ausgelastet und der Wunsch der Justiz deshalb nicht zu erfüllen, hieß es im Landeskriminalamt (LKA).

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter forderte gestern die sofortige Analyse der DNA-Proben. Auch der Kaufmännische Leiter der Klinik Waldfriede, Christian Dreißigacker, verlangte eine schnelle Analyse. „Wir hätten den Verdacht gegen unser Haus gerne schnell ausgeräumt“, sagte Dreißigacker. Eine Krankenschwester sagte dem Tagesspiegel, dass sie seit der Abgabe der Probe Ende September nichts mehr von dem Fall gehört habe. „Und damals wurde so ein Aufstand gemacht.“ Wie berichtet, wollten die LKA-Ermittler mit der Analyse das Personal der Klinik möglichst schnell entlasten.

Die Ermittlungsgruppe Babyklappe des LKA hatte die 423 weiblichen Beschäftigten von Waldfrieden mit einem Schreiben vom 12. September zur Abgabe einer Speichelprobe auf „freiwilliger Basis“ aufgefordert. Als Termin waren drei Tage vom 24. bis 26. September genannt. Damals kamen 300 Frauen dieser Aufforderung nach. Danach jedoch tröpfelten die Proben nur noch – trotz der intensiven Ermittlungen des LKA. Denn ein Teil des Personals, das zur Tatzeit in der Zehlendorfer Klinik gearbeitet hatte, war aus Berlin weggezogen. In akribischer Arbeit wurden alle neuen Adressen ermittelt. In der Babyklappe der Zehlendorfer Klinik war am 8. Juli ein mit 15 Messerstichen ermordeter Säugling gefunden worden. Nach Hinweisen der Bevölkerung hatte die Kripo vermutet, dass die Täterinnen einen „engen Bezug“ zur Klinik haben müssen.

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