Berlin : Bademeister aus dem Osterurlaub geholt - Vorgezogenes Anbaden an den Stränden Berlins

Christoph Stollowsky

Hochbetrieb in Berlins Strandbädern. Tausende planschten und schwammen über die Feiertage bereits in der Havel und im Müggelsee sowie im Orankesee in Hohenschönhausen und im Ziegelsee in Lübars. Ursprünglich hatten die Bäderbetriebe dieses Ostervergnügen nur im Strandbad Wannsee vorgesehen, das schon vor acht Tagen eröffnet wurde. Die anderen Strandbäder sollten ihre Gäste während der Feiertage nur zum Sonnenbaden einlassen. Aber dann wölbte sich über Berlin von morgens bis abends ein strahlend blauer Himmel - und es kam alles ganz anders: Spontan schoben mehr Schwimmmeister Dienst als geplant, einige unterbrachen sogar ihren Osterurlaub. Dadurch waren die Sicherheitsvorschriften erfüllt. Den ersten Sprüngen ins kalte Wasser stand von 10 bis 18 Uhr kein Verbotsschild mehr im Wege.

Flexibel wollen die Bäderbetriebe auch in den kommenden Tagen auf das Wetter reagieren. Bleibt es weiterhin warm, so kann sich ihr Chef Günter Kube gut vorstellen, "dass wir alle Strandbäder gleich weiter geöffnet lassen". Kube stieg gestern auf sein Motorrad und inspizierte alle geöffneten Bäder persönlich. Nach der bisherigen Planung sollten die drei Bäder am Müggelsee, am Orankesee und in Lübars von heute an bis zum offiziellen "Anbaden" am kommenden Freitag, 28. April, wieder schließen. Doch in Lübars hatte man diese Absicht angesichts der Scharen, die gestern unaufhaltsam zum Strand strömten, schnell aufgegeben. Bis Redaktionsschluss war eine durchgehende Öffnung noch nicht endgültig entschieden, aber der Leiter des Strandbades, Dieter Artus, versicherte: "Wir setzen uns dafür ein."

Wer allerdings ein Freibad mit Schwimmbecken in der Nähe hat und dort am liebsten seine Runden zieht, muß sich noch bis zum 28. April gedulden. "Diese Bäder haben eine komplizierte Technik, sie werden von etlichen Behörden kontrolliert und abgenommen. Das können wir jetzt nicht Holterdipolter beschleunigen", heißt es bei den Verantwortlichen. Eröffnet wird die Saison der meisten Freibäder am kommenden Freitag im Kreuzberger Prinzenbad, wo Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker als "Nummer 1" ins Wasser springt. Nur einige Bäder, beispielsweise das Olympiabad, sollen offiziell noch bis zum 15. Mai geschlossen bleiben. Doch angesichts der vielen Sonne hat Bäderchef Günter Kube auch dort gute Absichten. "Vielleicht können wir diesen Termin etwas vorziehen".

Davon würden nicht nur die Schwimmer, sondern auch die Bäderbetriebe profitieren. Schließlich käme früher Geld in ihre Kasse, zumal sie sich während der Ostertage großzügig gaben. Der Badespaß war von Karfreitag bis Montag am Orankesee, am Müggelsee und in Lübars gratis, nur am Wannsee wurde Eintritt genommen.

Dort vergnügten sich alleine am Sonntag rund 4000 Badegäste im 16 Grad kühlen Wasser, viele drängelten sich schon um 10 Uhr früh an den Kassen und verbrachten den ganzen Tag rund um ihren Strandkorb. Doch auch im wesentlich kleineren Strandbad Orankesee staunte Schwimmmeister Robert Petri über den Ansturm, immerhin kamen am Ostermontag gut 500 Besucher, darunter zahlreiche Familien mit Kindern. Viele hielten sich erstaunlich lange im Wasser auf, obwohl es erst 14-16 Grad Celsius hatte.

Das Strandbad Lübars meldete gestern schon 18 Grad Wassertemperatur. Dort gab es zu Ostern erstmals kaum Gerangel um Strandkörbe und den besten Platz für eine Sandburg. Neue Badebuchten zum Buddeln und Manschen wurden seit der vergangenen Saison angelegt und von den Jüngsten sofort in Beschlag genommen. Die Zahl der Strandkörbe beträgt jetzt 35 - außerdem soll auch in Lübars ein FKK-Gelände entstehen, möglicherweise noch in dieser Saison.

Vor einem Jahr sah es in Berlins Strandbädern anders aus. Kühle Witterung vermieste die Ostertage. "Der Wannsee - elf Grad Celsius kalt. Weit und breit kaum Badegäste", schrieb der Tagesspiegel, "nur ein paar Besucher frösteln in den Strandkörben und strecken die blassen Gesichter in den Himmel". Und nach dem Eröffnungssprung ins Prinzenbad gab es erstmal heißen Grog und Tee.

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