Badeunfall in Berlin-Wedding : Toter im Plötzensee: Bezirk Mitte weist Vorwürfe zurück

Nach einem tödlichen Badeunfall warf der Betreiber des Strandbads Plötzensee dem Bezirk vor, nichts gegen die illegale Badestelle zu unternehmen. "Das stimmt nicht" kontert nun Stadtrat Carsten Spallek - räumt aber auch ein, nur bedingt eingreifen zu können.

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An einer illegalen Badestelle gegenüber vom Strandbad Plötzensee kam ein Mann ums Leben.
An einer illegalen Badestelle gegenüber vom Strandbad Plötzensee kam ein Mann ums Leben.Foto: dpa

Nach dem tödlichen Badeunfall am Plötzensee am vergangenen Sonnabend hat das Bezirksamt Mitte jegliche Verantwortung von sich gewiesen. „Gegen die Unvernunft mancher Menschen kann man offenbar nichts machen“, sagte der für Ordnungsfragen zuständige Stadtrat Carsten Spallek (CDU) am Freitag dem Tagesspiegel: „Da helfen keine Zäune und auch keine Verbotsschilder.“

Wie berichtet, war ein 35-jähriger Mann an einer illegalen Badestelle auf der dem Strandbad Plötzensee gegenüberliegenden Seite ins Wasser gefallen oder gesprungen und untergegangen. Er konnte nur noch tot geborgen werden. Der Bademeister des Strandbads war wegen angeblich zu zögerlicher Hilfe kritisiert worden und hatte seinerseits ebenso wie die Betreiber des Bads dem Bezirk vorgeworfen, nichts gegen die illegale Badestelle zu unternehmen.

„Das stimmt nicht“, sagte Spallek. „Wir haben vor dreieinhalb Jahren einen 1,40 Meter hohen Zaun errichtet – daraufhin sind die jährlich etwa 30 Beschwerden über die illegale Badestelle auf fünf im Jahr zurückgegangen.“ Mehr könne man nicht tun, sagt der Stadtrat. Man habe zwar zur Kenntnis genommen, dass der Zaun zum Teil niedergetrampelt und beschädigt worden sei, aber „sollen wir jetzt auch noch die Zäune einzäunen?“ Ebenso illusorisch sei der Einsatz von Ordnungskräften, um das illegale Baden zu unterbinden. Das Ordnungsamt sei dafür nicht zuständig, und die 32 Mitarbeiter, die Streife liefen, hätten anderes zu tun „als zu warten, dass da ab und zu jemand ins Wasser springt“.

Der Sprecher des Landesverbandes der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Frank Villmow, appellierte an die Vernunft der Menschen. „Manche Leute springen auch mitten in der Stadt in die Spree oder in den Landwehrkanal – da kann man ja nicht überall Zäune hinstellen. Besser wäre auch, wieder mehr vernünftige und gepflegte Badestellen in Berlin einzurichten.“ Auch Verbotsschilder helfen kaum, sagt Villmow: „Die Leute gehen trotzdem im Sommer baden und im Winter aufs Eis.“

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