Berlin : Bärbels Schlägerei

Christine-Felice Röhrs

Kleine Geschichten von oder über Menschen, die auf den Arzt warten, die erzählen wir hier jeden Montag. Heute: aus der Notaufnahme der Charité in Mitte.

Harte Mädchen entschuldigen sich nicht. Harte Mädchen schauen auch nicht nach rechts, Richtung Opfer, dass da schnieft. Roger heißt das Opfer, und die Bärbel hat ihm vor einer Stunde eine Luftpumpe so fest an den Kopf geknallt, dass er neben dem Auge jetzt blutet. Roger hat Bärbel daraufhin so fest gekniffen, dass am Arm jetzt ein Stück Fleisch fehlt. Aber harte Mädchen heulen auch nicht. Man kann auch mit elf schon richtig hart sein.

Der Anlass, „tja“, sagt die Lehrerin spitz. „Die Bärbel hat angefangen, sie hat den Roger ,Schwanz’ genannt.“ Die Lehrerin hat sich neben Roger gesetzt und umarmt ihn. Bärbel braucht wohl Strafe.

Noch hält Bärbel sich aber tapfer. Guckt stur geradeaus, den Mund trotzig, nur in den Augenwinkeln ein paar Tränen vor Schreck: das Krankenhaus, das Warten, der Schmerz und die Lehrerin, die sie nicht beachten will… Nur nicht heulen! Da kommt durch die Tür eine Frau gestürmt. „Mama“, sagt Bärbel mit ganz hoher Stimme. Und fängt doch an zu weinen.

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