Berlin : Bären für die Welt

Zehntausende WM-Touristen fahren nach Hause: Was nehmen sie mit?

Lothar Heinke

Welche Erinnerungen an Berlin haben die Gäste im Gepäck, wenn sie sich wieder in alle Welt zerstreuen? Was steht auf den Fernsehern oder in den Wohnzimmerschränken zwischen Rio und Reims, Palermo und Paris? Was liegt in der Gunst der WM-Touristen an der Spitze? Wir haben es fast geahnt: das Brandenburger Tor! Im Mini-Format aus Keramik für wohlfeile fünf Euro. Dann kommt schon unser Bär angewackelt, in Plüsch oder Porzellan, möglichst im WM-Dress. Und „Berlin 2006“ muss draufstehen. Auch das Ampelmännchen geht nach wie vor, sowie „alle T-Shirts, auf denen die Buchstaben BERLIN vorkommen“, heißt es im Souvenirshop am Brandenburger Tor.

Der Fußball-Touri interessiert sich mehr für Trikots als für andere Mitbringsel. „Von Berlin-Büchern haben wir nicht eins verkauft“, sagt die Chefin vom Bundestags-Shop Unter den Linden. Nicht einmal Mauerbröckchen wollten die Leute haben, von den lustigen Spieluhren mit Berliner Liedern ganz zu schweigen. Aber was erblicken wir hier erbleichend in rauen Mengen? Alte Bekannte! Gelbe T-Shirts, Mützen und Tassen mit dem Logo Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist das Bärgesicht – jenes verknappte Bärlin-Symbol, das irgendwie dem Berlin von damals ähnlich sieht und mit dem die Stadt bei ihrer Olympiabewerbung 1993 (für 2000) heftig auf die Nase gefallen ist.

Dass der Fußballtourist „irgendwie anders“ ist, merkt auch Wieland Giebel von der Berlin Story-Buchhandlung Unter den Linden. Hier wird zwar „alles gekauft, was schwarz-rot-gold ist und glitzert“, aber der sonst so dominante Umsatz bei Büchern ist „auf ein Viertel von dem zurückgegangen, was wir sonst haben“. Vermutung: „Der Fußballfreund, der hier zur Fanmeile strömt, hat es mehr mit Bällen als mit Belletristik.“ Zum Trost lief das Geschäft mit kleinen, schönen, jungen Bildbändchen, die das bunte, moderne und verrückte Berlin zeigen. Ein Berliner ist ganz glücklich, denn sein Produkt wurde an 40 Orten gut verkauft, hatte im Lafayette, im KaDeWe und bei Douglas eigene erfolgreiche Präsentationen. „Majathi“ ist die Abkürzung von Marcus Jaques Thiel, jenem 33-jährigen optimistischen Jungunternehmer, der mit seiner Spürnase den Duft „Breath of Berlin“ kreierte und dann den Atem dieser Stadt in einen gläsernen Fernsehturm-Flacon tröpfeln ließ. Für 39 Euro gibt es die Berliner Luft zum Mitnehmen; „ein Duft, so lebendig und facettenreich wie seine Stadt“, findet Marcus Thiel. Lothar Heinke

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