Berlin : Bärenauslese

Seit dem Mittelalter ziert er Berlins Stadtwappen. Ein Buch zeigt, was seitdem aus dem Tier wurde

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Er kann grimmig gucken oder wie ein Kuscheltier. Er kämpft für den Frieden, für Olympia oder den Sozialismus. Er wirbt für CDU, SPD und PDS, aber auch für heimisches Bier und Kinderzirkusse. Er ist in Ost und West gleichermaßen zu Hause. Und er ist ein Berliner, seit 724 Jahren. Im Jahr 1280 wurde der Bär erstmals auf einem Siegel als Berliner Wappentier gezeigt, seitdem hat er eine einzigartige Karriere absolviert. Eine Auswahl von 300 Rollen, in die das Raubtier geschlüpft ist, zeigt der neue Sammelband „Bärlinale“. Zusammengetragen haben die große Bärenschau drei Berliner GrafikFans, die vor zwei Jahren bereits ein ähnliches Buch mit Darstellungen des anderen großen Wahrzeichens der Stadt, des Fernsehturms, veröffentlicht haben.

„Der Bär steht wie kein anderes Symbol für die ganze Stadt“, sagt Ingo Müller, Kulturwissenschaftler und einer der Herausgeber. Also hat der 32-Jährige mit seinen Mitstreitern, den Architekten Dirk Berger und Sandra Siewert, ein gutes Jahr lang Berliner Bären gesammelt, auf Werbegrafiken und historischen Plakaten, Bierdeckeln, Briefmarken, Szene- Flugblättern und Häuserwänden.

Einen besonderen Fund machten die drei im Landesarchiv: Eine Hand voll Bären-Bilder, mit denen sich 1948 Grafiker am Preisausschreiben für das neue, offizielle Stadtwappen bewarben (links). Diese Zeichnungen, die jahrzehntelang in den Archiven lagen, werden jetzt zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Andere Bilder entdeckte das Trio zufällig bei Stadtspaziergängen, wie den Fußball spielenden Bären in Prenzlauer Berg (rechts) oder den Zähne fletschenden Bären (daneben), der für ein Straßentheaterfestival warb. Die wohl weiteste Reise hat der Bär rechts oben hinter sich: Er warb vor vier Jahren in Hongkong für ein internationales Festival mit Berliner Themen. Das Buch „Bärlinale“ hat 144 Seiten, kostet 19,90 Euro und ist im Buchhandel, in Souvenirläden, sowie im Internet (www.baerlinale.de) erhältlich. lvt

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