Berlin : Bärtige Brüder im Geiste

SPD-Chef Kurt Beck und Ron Williams stellen ein Musical vor Das Stück handelt nicht von Arbeitslosen, sondern von Martin Luther King

Gunda Bartels

Endlich mal ein schöner Termin für SPD-Chef Kurt Beck. Wegen seines Rats an einen Arbeitslosen, nach einer Dusche und Rasur würde es schon was werden mit dem Job, pfeift ihm derzeit ja wieder mal der harte Wind der Unterschichtendebatte um die Ohren. Gemeinsam mit Entertainer Ron Williams erschien der Landesvater gestern gut gelaunt und mit Drei-Tage-Bart in der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz zur Präsentation des Musicals „Martin Luther King – The King of Love“. Komponist und Hauptdarsteller Ron Williams trug wie immer Schnauz und Basecap und vermied es ebenso wie Moderatorin Georgia Tornow, die Sprache auf etwas anderes als Entertainment, Gutes, Wahres und Schönes zu bringen. Die beiden kennen sich noch aus Zeiten, als sie gemeinsam die Talkshow „Berlin-Mitte“ moderierten. Und auch Kurt Beck, Schirmherr des Musicals, ist ein alter Freund von Ron Williams. Einst hatte der Ministerpräsident den Entertainer eingeladen, in rheinland-pfälzischen Schulen gegen Rassismus zu sprechen. Williams wiederum hat schon SPD-Wahlkampf gemacht.

Das Musical über die Ikone der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Martin Luther King hat im Februar in der Gedächtniskirche Premiere. Nach neun Vorstellungen tourt die Produktion mit 20 Solisten, Gospelchor und Orchester ausschließlich durch Kirchen. Erst bundesweit, dann auch im Ausland. Martin Luther King sei ja schließlich auch Baptisten-Pfarrer gewesen, meint Ron Williams, den der Irak-Krieg zum Musical über den Vietnam-Kriegsgegner King inspiriert hat. Er plane keine sakrale Veranstaltung, sondern eine Show, die Herz und Kopf öffnet. „Das Wort geht vom Altar direkt zum Publikum. Warten Sie’s ab: Die Kirche wird zur Bühne.“

Kurt Beck war gleich Feuer und Flamme für die Idee, sagt er. „Ron kann ja auch absolut begeistern.“ Martin Luther King, der 1964 auch einmal in Berlin den regierenden Bürgermeister Willy Brandt besuchte, sei früher sein Idol gewesen, das sie in der katholischen Jugend verehrt hätten. Und jetzt, da die Leute nach Werten und Orientierung suchten, mit einem Musical über ihn in die Kirche zu gehen, finde er gut. „Um der Sache einen Anspruch zu geben und zu sagen: Leute, denkt mal nach!“

Dass es mit dem Mieten der Kirchen klappt, dafür sorgt Grünen-Politikerin Antje Vollmer. Für die Pastorin ist Martin Luther King ein evangelischer Heiliger. Obwohl Ron Williams sagt, dass der verheiratete Prediger in der Damenwelt auch mal nach rechts und links geschaut habe. Schwierig war’s, eher herbe deutsche Protestanten vom Musical zu überzeugen, sagt Antje Vollmer. „Aber es wird ihnen gut tun.“ Kurt Beck sieht das genau so. Man müsse die Menschen für Toleranz begeistern, per Verstand und Emotion.

Das könnte klappen. Die Songs, die Ron Williams als Kostprobe zum Besten gab, sind packende soulige Balladen mit Texten zum Nachdenken. Und FBI–Chef J. Edgar Hoover als böse Musicalfigur zu sehen, ist definitiv neu.

„Martin Luther King – The King of Love“, ab 2. Februar in der Gedächtniskirche, Kartentelefon (01805) 019 010

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