Bäume in Berlin : Selbstfällend

Am Mittwochabend stürzte auf dem Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg ein riesiger Ast auf den Gehweg. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Politiker sehen darin aber erst den Anfang. Denn Berlins Nachkriegsbäume werden altersschwach.

Alexander Haneke,Christian Tretbar
Der meterlange Ast liegt auf dem Gehweg.
Der meterlange Ast liegt auf dem Gehweg.Foto: Christian Tretbar

Ein riesiger Schlag schreckte gegen 20.15 Uhr am Donnerstagabend Restaurantbesucher und Kinder am Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg auf. Von einem Baum neben dem kleinen Fußballplatz und dem Spielplatz knickte ein mehrere Meter langer, dicker Ast ab und krachte lautstark auf den Boden. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, weil in dem Moment keiner auf dem Gehweg unterwegs war. Aber der Schreck war groß, weil dieser Weg tagsüber gut frequentiert ist.

Warum der Ast abbrach, ist noch nicht geklärt. Der Pankower Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) befürchtet aber, dass sich die Abstürze häufen werden. Denn die meisten Bäume wurden in den 50er und 60er Jahren gepflanzt, nachdem Berlin in den letzten Kriegsjahren und den ersten kalten Nachkriegswintern fast vollständig gerodet worden war. „Die kommen jetzt alle in ein schwieriges Alter, da steht ein Generationenwechsel an.“

Allein der Bezirk Pankow ist für 97 051 Bäume zuständig. Das Bezirksamt kontrolliert jeden dieser Bäume mindestens einmal pro Jahr. Doch viele Schäden lassen sich von außen nicht erkennen. Und gerade Straßenbäume sind besonderem Stress ausgesetzt: Die Wurzeln sind eingeklemmt und werden immer wieder durch Bauarbeiten beschädigt. Hinzu kommen Urin und Hundekot, und auch Luftverschmutzung schwächt die Bäume. Die ist heute nicht mehr so stark, aber die Schäden wirken nach. „Straßenbäume leben einfach nur 60 bis 80 Jahre“, sagt Hans Panhoff (Grüne), Bezirksstadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg. Er glaubt daher, dass man über neue Lösungen nachdenken müsse. „Das Festhalten an jedem einzelnen Baum ist nicht die beste Strategie. Irgendwann müssen wir die sonst alle auf einmal fällen.“ Besser sei eine behutsame Ergänzung. Doch Fällungen sind in der Bevölkerung unbeliebt – in Berlin wird auch gerne mal um jeden einzelnen Baum gekämpft.

In Kreuzberg war erst Anfang März ein Baum ohne Außeneinwirkung auf ein Auto gestürzt, das gerade an einer roten Ampel stand. Zwei Frauen, die in dem Auto saßen, kamen mit dem Schrecken davon, aber das Auto erlitt einen Totalschaden. C. Tretbar / A. Haneke

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