Berlin : Bagatellunfälle: CONTRA von Sabine Beikler

Ich bekenne: Frau, blond, Vielfahrerin (Auto und Motorrad) mit überdurchschnittlichen Erfahrungen in Sachen Bagatellunfälle. Nein, nicht wie Sie denken: Frau am Steuer, Blech wird teuer. Bisher hatte ich keine Schuld bei Auffahrunfällen, Fahrspurwechsel-Fehlern oder Vorfahrtregel-Verstößen. Weil ich es ablehne, mich mit Unfallgegnern am Tatort auseinander zu setzen, wird zur Unfallaufnahme und Überprüfung aller Papiere die Polizei gerufen. Private Sicherheitsdienste dagegen haben keine hoheitlichen Rechte, und der Willkür wären auch keine Grenzen gesetzt.

Zum Thema Ted: Sollen Bagatellunfälle von Privatunternehmen aufgenommen werden? Wer verhindert Datenmissbrauch? Wer kann ausschließen, dass der private Sicherheitsdienst nicht mit Autoverwerter XY geschäftliche Kontakte pflegt? Und XY plötzlich vor der Tür steht, weil er großes Kaufinteresse an dem Unfallauto hat? Außerdem: Ein vermeintlicher Bagatellunfall kann sich beim Gutachter als kapitaler Schaden herausstellen. Woher soll das der private Sicherheitsmensch wissen, wenn er nicht Fachmann ist? Verkehrsjuristen wissen, dass selbst nach einer Unfallaufnahme mit erfahrenen Beamten eine 1000-Mark-Beule am Ende dreimal so teuer werden kann.

Aus reiner Kostenersparnis die Abwicklung von so genannten Bagatellschäden auf Private zu übertragen, ist eine Milchmädchenrechnung. Die Versicherungen werden ihre Kosten auf die Tarife abwälzen, die Juristen werden gegen die private Beweissicherung vor Gericht ziehen, die Abwicklung der Unfallschäden wird noch länger dauern. Und wer soll eigentlich die privaten Dienste zahlen? Ein Modellprojekt im Saarland hat das vorgemacht: Das Unternehmen XY unter ADAC-Mitwirkung hat Nichtmitgliedern Kosten bis 300 Mark in Rechnung gestellt.

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