Berlin : Bahn bewegt sich keinen Millimeter

Trotz Protestes sollen am Zoo keine Fernzüge mehr halten. Politischer Druck Berlins lässt nach

Klaus Kurpjuweit

Was unterscheidet die Bahnhöfe in Montabaur (12450 Einwohner) und Limburg (33600 Einwohner) vom Bahnhof Zoo in Berlin? In den beiden Kleinstädten an der Schnellfahrstrecke Köln – Frankfurt (Main) halten regelmäßig schnelle ICE-Züge, am Bahnhof Zoo dagegen sollen sie nach dem Willen der Bahn in Zukunft ohne Stopp durchfahren.

Der ICE-Stopp in Limburg und Montabaur sei auf politischen Druck von Hessen und Rheinland-Pfalz durchgesetzt worden, sagte dazu jetzt der Fahrplanchef der Bahn AG, Ingulf Leuschel. In Berlin dagegen hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) akzeptiert, dass der Bahnhof Zoo vom Fahrplanwechsel im Mai 2006 an keine Fernbahnstation mehr sein wird.

Politischen Widerstand gegen die Bahnpläne gibt es nur noch in der Stadtentwicklungsverwaltung unter Senatorin Ingeborg-Junge-Reyer (SPD) sowie von Parteien – auch von Wowereits SPD in Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Bezirksverordnetenversammlung dort unterstützt eine von der FDP angemeldete Demonstration für den Halt der Züge im Bahnhof Zoo am 1. September. Sie soll um 17 Uhr an der Uhlandstraße beginnen.

Die Bahn wolle den Fernverkehr „straffen“ und im neuen Hauptbahnhof bündeln, wo alle Züge des Fernverkehrs halten werden, argumentiert Bahn-Mann Leuschel. Da der neue Bahnhof „sehr schick“ werde, kämen die Kunden auch dorthin. Ankommende Fahrgäste würden dann, anders etwa als in Paris oder London, „in der Mitte der Stadt begrüßt“. Die Konzentration auf einen Bahnhof schaffe „Klarheit und Wahrheit“ bei den Abfahrtsstationen. Kritiker entgegnen, dass Fahrgäste durchaus verstehen würden, dass Züge in Nord-Süd-Richtung in den neuen Bahnhöfen Hauptbahnhof und Südkreuz halten und es im Ost-West-Verkehr Stopps auf der Stadtbahn gebe – einschließlich Bahnhof Zoo.

Doch davon wollen die Bahnoberen, auch gegen Widerstand von Fachleuten im eigenen Haus, nichts wissen. Sie halten auch daran fest, vom Dezember an die Züge aus München/Frankfurt (Main) nur im Hauptbahnhof und in Südkreuz halten zu lassen; eine ICE-Weiterfahrt zum künftigen Flughafen komme später nicht in Frage, bekräftigte Leuschel. In Südkreuz sollen die ICE nur kurz gereinigt werden, auf die bisher mögliche Untersuchung im Betriebswerk Rummelsburg will die Bahn verzichten. So müsse die Bahn einen ICE-Zug am Tag weniger einsetzen, sagte Leuschel. Und das spare Geld. Mehr Züge soll es von Ende Mai an Richtung Hamburg geben. Dann wird stündlich ein ICE beide Städte verbinden.

Auch das private Unternehmen Connex wird wohl nicht am Bahnhof Zoo halten. Für den einen pro Tag geplanten Zug von Westerland nach Berlin gibt es laut Bahn in Hamburg keine freien Gleise.

Auch wenn die Fernzüge in Zukunft auf der Stadtbahn nur noch im Haupt- und im Ostbahnhof stoppen, soll als Ziel auf den Fahrscheinen weiter „Stadtbahn“ stehen. Hier will die Bahn traditionsbewusst bleiben.

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