Berlin : Bahn frei!

Parken im Hauptbahnhof ist 15 Minuten gratis. Schafft man es in der Zeit zum Gleis?

André Görke

Ab Montag, 7 Uhr, darf nicht mehr vorm Hauptbahnhof geparkt werden, nur noch im Parkhaus. Immerhin: Dort sind die ersten 15 Minuten gratis. Schafft man es in dieser Zeit zum Gleis und zurück, mit Koffern? Ein Versuch: Wir fahren in den Tiergartentunnel, sehen das blaue Parklogo, ran an die Schranke. Der Wettlauf beginnt.

11.35 Uhr. Wir hängen aus dem Autofenster, drücken den Knopf, ein Ticket flutscht heraus. An der Wand begrüßt uns ein orangefarbenes Schild: „Herzlich willkommen“. Schnell, schnell.

11.36 Uhr: Bloß keine Experimente: „Da, ein Parkplatz!“ Motor aus, abgeschnallt, Tür auf, abschließen.

11.36 Uhr: Wieder aufschließen, wir brauchen die Tasche, wuchten sie aus dem Kofferraum, ziehen die Jacke über, fragen gefühlte 37 Mal: „Hast du die Fahrkarte dabei?“ Wir notieren uns den Stellplatz: „3.238“ – wofür auch immer.

11.39 Uhr: Der Aufzug ist gefunden, die Schilder hängen an der Decke. Kein Auto fährt uns um. Dafür müssen wir der elektronischen Tür ausweichen, die uns entgegenschwingt.

11.39 Uhr: Der Fahrstuhl wartet, so ein Glück! Wo wollen wir hin? Hoch? Runter?

11.40 Uhr: „Pling“. Eine Frauenstimme säuselt: „Übergang zum Bahnhof.“

11.40 Uhr: Wir sind nicht oben, nicht unten, sondern in der Mitte. Neben dem Fahrstuhl ein Abfahrtsplan: Wir wollen zum ICE nach Düsseldorf, ganz oben.

11.41 Uhr: Im Bordbistro ist es leider so teuer, wir sehen einen Bäcker, keine Warteschlangen: „Eine Streuselschnecke, einen Kaffee, zum Mitnehmen.“ 2,60 Euro.

11.44 Uhr: 1. Rolltreppe. Wir stehen – natürlich. Denn wer rennt schon mit einem Koffer? Dauer: 40 Sekunden.

11.44 Uhr: 2. Rolltreppe (20 Sekunden).

11.45 Uhr: Wir rempeln uns – „sorry!“ – zielstrebig vorbei, hin zu Gleis 13.

11.45 Uhr: 3. Rolltreppe (25 Sekunden).

11.46 Uhr: Endlich am Gleis. Wo ist der Wagenstandsanzeiger? Pech: Der ICE wird später getrennt, ein Zug fährt über Wuppertal, der andere über Düsseldorf nach Köln. Wir müssen ans andere Ende.

11.49 Uhr: Der kurze Abschied: „Gute Fahrt, meld dich, wenn du da bist, werde dich vermissen.“ Kusskuss. Dauer bis hierhin: 14 Minuten. Das wird knapp.

11.51 Uhr: Wo ist das verdammte Parkhaus? Wir rennen, fast zumindest.

11.54 Uhr: Wir finden das Parkhaus, der Automat steht neben dem Fahrstuhl. Als wir das Ticket sofort (!) im Geldbeutel finden und reinschieben, steht auf dem Display: „2 Euro“ – wir haben verloren. Wir lesen auf den Hinweisschildern: Wer zwischen der 16. und 60. Minute kommt, zahlt immer 2 Euro nach. Wir hätten uns also Zeit lassen können. Übrigens stinkt es hier – pardon! – nach Pisse.

12.02 Uhr: Tageslicht. André Görke

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