Berlin : Bahn hat Schönefeld nicht auf der Checkliste

Am neuen Hauptbahnhof gibt es noch kein Konzept zum Bau eines Schalters für Passagiere zum neuen Großflughafen

Klaus Kurpjuweit

Jahrelang haben alle davon geredet – konkret unternommen hat aber bisher niemand etwas. So zeichnet sich am Hauptbahnhof-Lehrter Bahnhof eine weitere Planungspanne ab. Vom neuen Bahnhof sollen auch Express-Züge zum geplanten Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) nach Schönefeld fahren. Fluggäste sollen, so die schönen Pläne, bereits im Bahnhof ihr Gepäck abgeben können. Doch mehr als unverbindliche Gespräche hat es nicht gegeben. Dabei laufen schon die Vermietungsaktivitäten für den Hauptbahnhof.

Jetzt hat Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) die Initiative ergriffen. In einem Brief an Bahnchef Hartmut Mehdorn „erinnert“ sie erneut an dieses Projekt, das in der Konzeption seitens der Bahn AG bisher nicht berücksichtigt worden sei. Man befinde sich in der „Gesprächsphase“, sagten der Sprecher der Bahn, Burkhard Ahlert, und des Flughafens, Ralf Kunkel, übereinstimmend. Für die Abfertigung der Passagiere seien aber die Fluggesellschaften zuständig, so Kunkel weiter. Ein „Check-In“ solle aber bei der Planung jetzt berücksichtigt werden. Die Initiative der Senatorin sei deshalb richtig.

Der Bahnhof wäre, so Junge-Reyer, wie kein anderer Standort in Berlin geeignet, Fahrgäste über den Fern- und Regionalverkehr sowie den innerstädtischen Nahverkehr zum neuen Flughafen zu bringen. Durch ein zentrales Check-In-Angebot würde die Attraktivität des geplanten Flughafen-Expresses noch einmal erheblich gesteigert. Damit könnte ein europaweit beispielhafter Ansatz realisiert werden. Vergleichbare Angebote gebe es bisher unter anderem in Zürich, Tokio, Schanghai und Hongkong. In Deutschland gibt es ähnliche Angebote in kleinem Stil für Fahrten mit der Bahn zum Flughafen Frankfurt ab Köln und Stuttgart.

Keine Angaben gibt es bisher auch zu den Kosten eines solchen Angebots. Der Check-In-Nutzer müsste die Flächen im Bahnhof mieten. Der Hauptbahnhof wird wohl aber nicht nur für die Bahn, sondern auch für die Mieter ein teures Pflaster werden. Wie viele Fahrgäste den Check-In-Service im Bahnhof nutzen würden, ist bisher ebenfalls noch nicht untersucht worden. Die Bahn rechnet mit 240 000 Kunden täglich im Bahnhof. Er soll im Sommer 2006 in Betrieb gehen. Jetzt könnten noch die technischen und baulichen Voraussetzungen für einen Check-In-Schalter geschaffen werden, ist Junge-Reyer überzeugt.

Auf welchem Weg die Züge den künftigen Flughafen erreichen sollen, ist aber auch noch nicht geklärt. Der kürzeste Weg führt über die Dresdner Bahn durch Lichtenrade. Für deren Wiederaufbau gibt es aber immer noch keine Finanzierungszusage durch den Bund. Die Planungen waren jahrelang durch den Senat blockiert worden, der das Verfahren verschleppte, weil er will, dass die Bahn in Lichtenrade einen Tunnel baut, was diese aber ablehnt.

Am neuen Flughafen soll unter dem künftigen Abfertigungsgebäude ein Bahnhof für den Fernverkehr und die S-Bahn entstehen.

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