Berlin : Bahn lässt ihre Kunden nun doch im Regen stehen

1.-Klasse-Passagiere sollten mit Schirmen vor Nässe geschützt werden Aber für den angekündigten Service am Hauptbahnhof fehlen Personal und Geld

Klaus Kurpjuweit

Es war schwer zu glauben, aber ernst gemeint – und nun wird es doch nichts: Am Hauptbahnhof wird, anders als von der Bahn angekündigt, kein Regenschirm-Service für die Fahrgäste der 1. Klasse angeboten. „Wir hatten eine gute Idee, aber sie ließ sich nicht umsetzen“, sagte gestern Bahnsprecher Michael Baufeld. Damit werden Fahrgäste der Premiumklasse beim Ein- und Aussteigen weiter nass, wenn es regnet oder schneit, weil der nach Ansicht der Bahn modernste Bahnhof der Welt nicht komplett überdacht ist.

Bei langen ICE-Zügen stehen ausgerechnet die Wagen der 1. Klasse außerhalb des Daches ungeschützt im Freien. Das Glasdach ist nur 321 Meter lang, der längste ICE dagegen misst 410 Meter. Ursprünglich sollte das Glasdach an der Längsstelle 450 Meter lang sein. Um die Bauzeit zu verkürzen, ließ Bahnchef Hartmut Mehdorn das Dach jedoch kürzen. Nur so konnte der Wunsch-Eröffnungstermin kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Jahr eingehalten werden.

Nass werden sollten die gut zahlenden Fahrgäste der 1. Klasse aber trotzdem nicht. Und so kam die Bahn, wie berichtet, vor kurzem auf die Idee, ihre besten Kunden bei Regen von Mitarbeitern unter einem Regenschirm zum Zug begleiten oder abholen zu lassen.

Der Service sollte zu einem ganzen Paket von besonderen Angeboten im Bahnhofsbereich für die Fahrgäste der 1. Klasse werden. Hier begannen aber bereits die Schwierigkeiten. Für den besonderen Service, den der Bereich „Bahnhöfe“ der Bahn dem Bereich „Fernverkehr“ der Bahn anbieten wollte, hätte der Fernverkehr extra zahlen sollen, was dieser aber dem Vernehmen nach nicht wollte.

Und auch intern gab es Probleme. Um allen Fahrgäste der 1. Klasse den Regenschirm-Service anbieten zu können, hätten erheblich mehr als ein Dutzend Mitarbeiter bereitstehen müssen. So viele Stellen hat die Bahn aber auch für den Hauptbahnhof nicht vorgesehen. Und so hat sie die Idee jetzt aufgegeben, die bereits zum 1. Oktober umgesetzt werden sollte. Dabei war sie wohl schon weit fortgeschritten. Noch vor wenigen Tagen sagte ein Mitarbeiter aus dem Bahnhof, die Regenschirm-Begleitung würde nun am 23. Oktober kommen.

Die Bahn sucht jetzt nach anderen Möglichkeiten, um die Fahrgäste ins Trockene bringen zu können. So prüft sie unter anderem, die festgelegte Halteposition für die ICE-Züge zu verlegen, um den Weg von der Spitze der Züge unter das Dach zu verkürzen. Denn eins steht für die Bahn fest: Verlängert wird das Dach auf keinen Fall.

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