Berlin : Bahn prüft Folgen aus dem Einsperren im defekten ICE

Weiter zahlreiche Fragen nach Panne am Bahnhof Heerstraße

Klaus Kurpjuweit

Das vierstündige Einsperren von rund 600 Fahrgästen in einem ICE der Bahn in Berlin beschäftigt jetzt auch den Bahnvorstand. Im Bahntower am Potsdamer Platz sucht man nach Wegen, wie solche Pannen in Zukunft vermieden werden können. Konzernsprecher Werner Klingberg entschuldigte sich gestern bei allen Reisenden „für die Unannehmlichkeiten“. Nachdem die Bremsen eines ICE am Freitagabend blockiert hatten, blieb der Zug, wie berichtet, auf freier Strecke stehen. Die Fahrgäste konnten ihn erst nach vier Stunden verlassen, nachdem der Zug bis Spandau geschleppt worden war. Noch immer sind zahlreiche Fragen ungeklärt.

Die Bahn hatte zunächst erklärt, der Bundesgrenzschutz, der bei ihr die Aufgaben der Bahnpolizei innehat, habe es aus Sicherheitsgründen untersagt, die Fahrgäste auf freier Strecke aussteigen zu lassen. Der Zug stand dicht am S-Bahnhof Heerstraße, zu dem die Fahrgäste hätten laufen können. Der BGS war nach Angaben seines Sprechers Jörg Kunzendorf jedoch gar nicht im Einsatz an dem lahmgelegten Zug. Die Entscheidung, die Fahrgäste im Zug festzuhalten, hatten die Bahnmitarbeiter getroffen. Ein Aussteigen in der Nähe der S-Bahn-Gleise sei wegen der Stromschienen zu gefährlich gewesen, argumentiert Bahnsprecher Gisbert Gahler.

Unklar ist auch, warum die Mitarbeiter keine anderen Lösungen gesucht haben. Der ICE bestand aus zwei Einheiten, die aneinander gekuppelt waren. Blockiert hatten nach den bisherigen Erkenntnissen die Bremsen des hinteren Zugteils. Theoretisch hätte man versuchen können, mit dem vorderen Teil weiterzufahren. Solche Zugtrennungen beim ICE gibt es fahrplanmäßig ständig in Hamm.

Für viele Fahrgäste war das Leiden nach dem Ende der Fahrt jedoch noch immer nicht beendet. Sie konnten in Spandau zwar nach weiterer Wartezeit ihre Fahrt mit einem Ersatzzug fortsetzen, in dem ihnen versprochen worden war, die Anschlüsse seien gesichert. Die Mitarbeiterin am Service-Point im Bahnhof Hamm wusste davon nach Angaben von Fahrgästen bei der Ankunft um 3.10 Uhr jedoch nichts. Eine Gruppe, die nach Münster wollte, musste deshalb mit dem Taxi weiterfahren.

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