Berlin : Bahn setzt zurück: Doch kein Wegzug?

Mehdorn: S-Bahn-Angebot kommt Sparplänen des Senats entgegen

Klaus Kurpjuweit

Die Bahn entkräftet ihre Drohung, den Sitz der Konzernzentrale aus Berlin abzuziehen. Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte, wie berichtet, nach Tagesspiegel-Informationen in einem Schreiben an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) diesen Fall angedeutet, falls der Senat den Zuschuss an die S-Bahn drastisch kürzt. Der Senat will den bisherigen 230-Millionen-Euro-Vertrag pro Jahr um bis zu 45 Millionen Euro verringern.

In dem Brief an Wowereit habe Mehdorn „auch“ darauf hingewiesen, dass der Bau einer neuen Konzernzentrale als Ersatz für die bisher gemieteten Gebäude geprüft werde. Dies würde für das Land bedeutende Investitionen mit sich bringen und neue städtebauliche Akzente setzen, was den Standort Berlin insgesamt stärken würde, erklärte gestern Bahnsprecher Werner W. Klingberg.

Im Übrigen solle nach der Sommerpause das Tochterunternehmen Stinnes als größtes Logistikunternehmen Europas mit der Firmenzentrale an den Leipziger Platz ziehen. Auch der Unternehmensbereich Personenbahnhöfe sei im vergangenen Jahr nach Berlin gezogen – ohne Hilfe des Landes zu beantragen. „Diese Vorgehensweise ist heute in Deutschland nicht mehr üblich“, sagte Mehdorn gestern. Eine feste Zusage, dass die Zentrale, die bislang im Sony-Tower am Potsdamer Platz residiert, auf jeden Fall in Berlin bleiben wird, gab es aber auch gestern nicht.

Die Bahn forderte den Senat stattdessen erneut auf, das Entgelt für die Leistungen der S-Bahn nicht in großem Umfang zu kürzen. Sonst sei die „einzigartige Erfolgsgeschichte“ der S-Bahn in Gefahr. Seit Gründung der S-Bahn GmbH im Jahr 1995 sei die Zahl der Fahrgäste von 246 Millionen auf jährlich 305 Millionen gestiegen; mehr als 75 Kilometer Strecken seien wieder in Betrieb genommen worden.

Das von der Bahn vorgelegte Angebot folge bereits den Sparanstrengungen des Senats, da es Rationalisierungen vorwegnehme, die in den nächsten Jahren erst noch umgesetzt werden müssten, so Mehdorn.

Bahn und Senat müssen sich einigen; eine Alternative gibt es – noch – nicht. Auch das französisch-deutsche Unternehmen Connex, das den Betrieb auf der Ringbahn übernehmen will, könnte frühestens 2006/2007 eigene Züge fahren lassen. Da die vorhandenen Züge der S-Bahn gehören, müsste ein neuer Betreiber neue Fahrzeuge kaufen oder bauen lassen und dann mieten. Dies erfordert Zeit. Der neue Vertrag mit der S-Bahn soll aber eine Klausel enthalten, wonach Strecken während der Laufzeit für Dritte ausgeschrieben werden können.

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