Berlin : Bahn will auch in Zukunft nicht jeden ICE im Superbahnhof stoppen lassen

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Im neuesten - und bisher wohl auch teuersten - Bahnhof Berlins rauscht knapp die Hälfte der schnellen Züge weiter ohne Halt durch. Die Bahn AG will auch im neuen Fahrplan, der von Ende Mai an gilt, an ihrer Praxis nichts ändern, nur jeden zweiten Intercity-Express (ICE) der Linien 6 (nach München) und 10 (nach Düsseldorf und Bonn) in Spandau stoppen zu lassen. Nur die sieben zusätzlichen Züge im Expo-Verkehr nach Hannover werden auch in der Havelstadt halten.

Dass nur jeder zweite ICE in Spandau stoppt, ist nach Ansicht von Bahnsprecherin Marlene Schwarz gerechtfertigt. Durchschnittlich würden bei den Paradezügen der Bahn im neuen Bahnhof nur etwa zwanzig Fahrgäste ein- oder aussteigen. Für Gerhard Curth, den Vorsitzenden des Fahrgastverbandes IGEB, ist dies auch nicht verwunderlich. "Wer kann sich schon merken, wann welcher Zug nun hält oder nicht?" Gäbe es regelmäßige Abfahrtszeiten, würde auch die Zahl der Fahrgäste steigen, ist Curth überzeugt. Auch das Argument der Bahn, ein Stopp koste zu viel Zeit, läßt Curth nicht gelten. "Zwischen Spandau und der Innenstadt bummeln die ZÜge ohnehin", sagt er. "Da fallen drei Minuten für einen Halt in Spandau nicht ins Gewicht".

Ähnlich sieht es der Verkehrsexperte der Grünen, Michael Cramer. Es sei ein Unding, dass Spandauer, aber auch Bewohner aus Westend in Charlottenburg, erst zum Bahnhof Zoo und dann von dort zurück und an Spandau vorbei fahren müssen, wenn sie Richtung Hannover wollen. Dies überlaste auch den Bahnhof Zoo.

Die Bahn hat den neuen Bahnhof Spandau, der immerhin weit über 100 Millionen Mark gekostet hat, bisher ohnehin stiefmütterlich behandelt. Sie spendierte ihm nicht einmal eine Eröffnungsfeier.

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