Berlin : Bahn will Kabel diebstahlsicher machen

Metall soll mit Herkunftscode markiert werden Jeder fünfte Täter wird bereits erwischt

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Berlin - Die Bahn zieht die Notbremse und will Kabeldieben das Stehlen schwerer machen. Codierte Metalle sollen es möglich machen, entwendetes Material zu identifizieren – auf Schrottplätzen oder bei Fahrzeugkontrollen. Aber auch die Kontrolle der Anlagen soll durch zusätzliche Streifen oder den Einsatz von Videotechnik verstärkt werden.

Besonders von Diebstählen betroffen sind nach Angaben von Gerd Neubeck, dem Leiter der Konzernsicherheit bei der Bahn AG, die östlichen Bundesländer Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Neubeck führt dies vor allem auf die Nähe zu Osteuropa zurück. Aus diesen Ländern stammt ein Großteil der ertappten Diebe.

Nun will die Bahn vor dem Legen neuer Kabel das Metall mit einer nicht sichtbaren und auch nicht fühlbaren Flüssigkeit einsprühen, die dann mit einem Code versehen werden kann, der nur durch eine spezielle Technik sichtbar wird. Mit dieser „künstlichen DNA“ sollen Täter überführt werden, wenn bei ihnen Diebesgut gefunden worden ist.

Dabei helfen auch Fahrzeugkontrollen durch die Bundespolizei an den Grenzen, sagte Neubeck. Solche Aktionen würden zum Teil europaweit gleichzeitig vorgenommen. Verscherbeln Diebe ihre Beute an einen Schrotthändler, soll auch hier der Weg zurückverfolgt werden können, vorausgesetzt, der Verkäufer hat dem Händler keine falsche Identität vorgetäuscht.

Die Zahl der Diebstähle hat mit dem Ende der Wirtschaftskrise wieder stark zugenommen, weil die in der Krise gefallenen Preise nun wieder kräftig angezogen haben. 2009 gab es in Berlin 128 Fälle, ein Jahr später waren es 157. Bundesweit gab es 2010 mit rund 2500 Taten ein Zuwachs um 40 Prozent. Aber auch das frühe Ende des Winters in diesem Jahr habe Diebe motiviert, sagte Arvid Kämmerer vom Bahnbereich Netz-Ost. Im schneereichen Januar und Februar 2010 habe man zwei Taten registriert, im gleichen Zeitraum diesen Jahres seien es 50 gewesen.

Der materielle Schaden für die Bahn sei immens, sagte Neubeck. Noch mehr ins Geld gingen aber die damit verbundenen Zugausfälle. Werden Leitungen für die Sicherungstechnik entwendet, wie zuletzt mehrfach bei der S-Bahn, muss der Betrieb bis zur Reparatur eingestellt werden. Teuer für die Bahn – und belastend für die Fahrgäste – war auch der Diebstahl von mehreren Kilometern Kabeln an der Strecke Berlin–Cottbus, die wegen Ausbauarbeiten gesperrt ist. Die Arbeiten verzögerten sich um mehr als ein halbes Jahr; statt wie vorgesehen im Mai fahren die Züge zwischen Königs Wusterhausen und Lübbenau voraussichtlich erst wieder im Dezember.

Erleichtert werde den Dieben das Stehlen auch, weil die Strecken in den östlichen Bundesländern sehr häufig durch unbesiedelte Gebiete führten, sagte Kämmerer. Hier sollen jetzt verstärkt Streifen der Bundespolizei eingesetzt werden, denen es schon mehrfach gelungen ist, Täter auf frischer Tat zu ertappen, wie jüngst bei der S-Bahn im Bereich Baumschulenweg. Dorthin waren die Beamten geschickt worden, nachdem ein Signalausfall registriert worden war. Jeder Fünfte werde erwischt, sagte Neubeck.

Diebe suchen sich nicht nur Nebenstrecken aus. Die meisten Taten gibt es nach Kämmerers Angaben an den viel befahrenen Gleisen von Berlin nach Hamburg und nach Stralsund über Pasewalk.

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