Berlin : Bahn will keine Züge zur ILA 2000 schicken

KLAUS KURPJUWEIT

BERLIN .Die nächste Internationale Luftfahrtausstellung (ILA) in Schönefeld findet zwar erst in zwei Jahren vom 5.bis zum 12.Juni statt, doch den ersten handfesten Krach um das Spektakel in Schönefeld, das jedes Mal Hunderttausende von Besuchern anzieht, gibt es bereits jetzt.Die Bahn AG will im Jahr 2000 keinen Sonderzugverkehr (Shuttle) zum ILA-Gelände anbieten, weil sie bereits heute weiß, daß sie in zwei Jahren keine Wagen dafür haben wird.Alles, was fahren kann, werde zur gleichzeitig stattfindenden Weltausstellung (Expo) in Hannover gebraucht, heißt es bei der Bahn.Die Messe Berlin als ILA-Veranstalter hofft jetzt auf Einsicht beim Bahnvorstand.

Messe-Chef Karl-Joachim Kierey hat "Null Verständnis" für die Absicht der Bahn AG, auf den Shuttle-Verkehr zu verzichten.Rund 100 000 ILA-Besucher nutzten in diesem Jahr die Gratis-Verbindung vom Bahnhof Lichtenberg zum Ausstellungsgelände.Für die entgangenen Einnahmen zahlte die Messe der Bahn einen Ausgleich.

"Zur Expo in Hannover sind wir auf jeden Doppelstockwagen angewiesen, den wir haben", heißt es bei der Bahn.Viele Besucher und Aussteller werden in Hotels außerhalb der Stadt untergebracht sein.Sie sollen mit der Bahn zum Expo-Gelände fahren.Herkömmliche Wagen seien für den Einsatz weder in Hannover noch in Schönefeld geeignet.Am eigens für den Shuttle-Verkehr von der Messe gebauten Bahnsteig in Schönefeld können Züge nur mit bis zu sieben Wagen halten.Im Einsatz waren insgesamt 28 Doppelstockwagen.Außerdem ist nur ein 30-Minuten-Zugabstand möglich.Bei der ILA 1998 seien jedoch die Doppelstockwagen häufig überfüllt gewesen; mit herkömmlichen Waggons, die weniger Plätze haben, ließe sich der Verkehr erst recht nicht bewältigen, argumentiert die Bahn.

Probleme könne es auch auf der Stadtbahn zwischen den Stationen Zoo und Ostbahnhof geben.Der Shuttle-Verkehr sei nur über diese Verbindung sinnvoll.Die Trasse ist jedoch heute bereits ausgelastet."Extra-Zeiten für den ILA-Verkehr können wir uns für die wenigen Tage nicht freihalten", argumentierte ein Bahn-Mitarbeiter.

Nach seiner Ansicht ist der Zeitpunkt der ILA 2000 falsch gewählt.Kapazitätsprobleme werde es für die ILA auch bei der Lufthansa und in den Hotels geben.Im Großraum Hannover seien die Betten für die Aussteller reserviert; Besucher, von denen Millionen erwartet werden, müßten in einem Bereich untergebracht werden, von dem aus sie Hannover in zwei bis drei Stunden erreichen können.Die Bahn legt die Strecke zwischen beiden Städten dann auf ihrer Neubautrasse in weniger als zwei Stunden zurück.

Kierey sieht dagegen genau den gegenteiligen Effekt."Die Expo wird sich positiv auf die ILA auswirken", ist er überzeugt.Viele Besucher würden beide Veranstaltungen miteinander verbinden.Probleme könne es höchstens mit der Unterbringung geben, räumte er ein.Die ILA findet in der zweiten Expo-Woche statt.

Den Vorschlag der Bahn, vom Bahnhof Schönefeld aus, zu dem halbstündlich Regionalbahnen aus dem Stadtzentrum fahren, einen Busverkehr zum ILA-Gelände einzurichten, hält Kierey für illusorisch.Die Straßenverbindung sei schon jetzt ein Engpaß, gerade deshalb sei man auf die Entlastung durch die Bahn angewiesen.

Wie wichtig die Bahn-Verbindung sei, habe die diesjährige Schau gezeigt.Zu Beginn waren mehrere der Sonderzüge ausgefallen."Die Leute, die mit diesen Zügen fahren wollten, haben dann auf den Besuch verzichtet", sagte Kierey.Mindestens 10 000 Menschen weniger seien deshalb gekommen.

Auf der ILA-Beiratssitzung in der vergangenen Woche, auf der Regionalbahn-Chef Hans Leister den Shuttle-Verzicht der Bahn mitteilte, kam es zu einem Eklat.Nachdem der Beiratsvorsitzende Heinz Ruhnau festgestellt hatte, die Bahn tue alles, um den Verkehr von der Schiene wieder auf die Straße zu verlagern, verließ Leister die Sitzung unter Protest."In den letzten zehn Jahren habe ich keine Tür so knallen hören", sagte Kierey.

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