Berlin : Bahnchef Hartmut Mehdorn

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Er ist Löwe und Berliner. Hier geboren und auch verwurzelt. Von seinem Chefsessel ganz oben im DB-Tower am Potsdamer Platz hat er die ganze Stadt unter sich – fast. Nur den Bahnhof Zoo sieht er nicht, dafür aber den Sitz seines Eigentümers, das Bundeskanzleramt, den Reichstag und das gläserne Dach seines neuen „Hauptbahnhofs“. Am 26. Mai wird der mit Angela Merkel eingeweiht.

Da wäre auch Platz für die Hauptverwaltung mit ihren 800 Schreibtischen, meint er, wenn in drei Jahren der Vertrag im Sony-Center ausläuft. Dann säße der Kommandeur der Bahn – und auch der französischen Ehrenlegion! – im eigentlichen Zentrum eines gewaltigen Modernisierungs- und Ausbauprojekts in der Hauptstadt. Aber das ist nur ein kleiner Teil des riesigen Reformprogramms, das Hartmut Mehdorn, der mit seinen Entscheidungen oftmals auf heftigen Widerstand stößt, seit seinem Antritt am 16. Dezember 1999 gestemmt hat.

70 Prozent des Wagenparks sind modernisiert ebenso wie ein Großteil der 5600 Bahnhöfe. Die Bahn ist heute der größte Busbetreiber im Land. Der frühere Airbusmann denkt in „Reise- und Logistikketten“. Im Personenverkehr gehören deshalb Fahrräder ebenso dazu wie Mietwagen. In der Güter-Logistik ist die ganze Welt das Spielfeld. Sie bringt heute mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes. Jeder fünfte der 235 000 Arbeitsplätze liegt im Ausland. Europas „größtes Mobilitätsunternehmen für Menschen und Güter“ sei die Bahn, in der Region ist sie mit 19 000 Beschäftigten wichtigster Arbeitgeber. Stolz ist Mehdorn darauf, dass die Bahn nach jahrelangen Milliarden-Verlusten unter seiner Führung wieder schwarze Zahlen schreibt. Ein Gewinn von über 400 Millionen Euro auch 2005 ist vor wenigen Tagen testiert worden, freut sich der Bahnchef und zeigt dazu sein unverwechselbares, lausbübisches Grinsen.

Für ihn ist das ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum angepeilten Börsengang. Sein Mantra: „Nur zusammen mit der Schiene macht das Sinn.“ Für fairen Wettbewerb werde die Regulierungsbehörde schon sorgen. Das Land könnte dankbar dafür sein, dass dieser kraftvolle und durch und durch erfolgsorientierte Unternehmer seine breiten Erfahrungen und seinen stählernen Willen in diese gewaltige Aufgabe investiert.

Seine ersten auch bitteren Erfahrungen, Unternehmen auf die Zukunft vorzubereiten, hat der Unternehmersohn und Maschinenbau-Ingenieur eher in der Luft gesammelt, bei Fokker, Airbus, MBB, der DASA und Dornier. Mobil war der „Mobilitätsunternehmer“ auch selber. Mit seiner französischen Frau und den drei Kindern lebten sie mal in Toulouse, in München, Hamburg, Bremen oder Heidelberg. Den Job als Chef von „Heideldruck“ hat er 1995 angenommen, weil er „endlich mal ein Unternehmen nach seinen eigenen Vorstellungen führen wollte“. Nun hat er den Druck von überall – aus der Politik und aus der Stadt.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Hartmut Mehdorn (63) ist seit Dezember 1999 Vorstands-

vorsitzender der

Deutsche Bahn AG.

Er ist Aufsichtsrats-

mitglied bei RWE und SAP.

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