Berlin : Bahnchef verteidigt sich: Zoo ist kein Fernbahnhof

Mehdorn sieht keine Probleme, wenn „statt 1000 Zügen nur 950 halten“ – Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer ist da anderer Meinung

Bernd Hops,Matthias Oloew

Bahnchef Hartmut Mehdorn beharrt auf den Plänen, ab Mitte 2006 Fernzüge möglichst nicht mehr im Bahnhof Zoo halten zu lassen, sondern im neuen Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof. Am Zoo hielten dann noch Regionalzüge und S-Bahnen. „Ich verstehe die ganze Diskussion nicht“, sagte Mehdorn am Dienstag bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer Berlin. Bereits seit Jahren sei klar gewesen, dass Züge aus dem Norden, etwa aus Hamburg, nicht mehr über Zoo, sondern über den Tunnel und über den Hauptbahnhof fahren werden. Außerdem sei der Bahnhof Zoo eigentlich „kein Fernbahnhof“. In Stoßzeiten sei er nicht ungefährlich, weil sich zu viele Fahrgäste auf den Bahnsteigen drängen müssen.

Um für Sicherheit zu sorgen, müsste die Bahn dann auch mehr Personal einsetzen. Daneben würde jeder Stopp die Fahrzeiten der Fernzüge verlängern. Und für die Gewerbetreibenden im Bahnhof Zoo sieht Mehdorn auch keine übermäßige Belastungen, „wenn statt 1000 eben 950 Züge pro Tag im Bahnhof Zoo halten“. Die endgültige Regelung werde allerdings mit dem Senat abgestimmt.

Für den Senat hat Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) bereits deutlich gemacht, dass sie eine komplette Streichung des Fernverkehrs am Zoo nicht akzeptieren werde. Der künftige Fahrplan am Zoo sei bereits in den laufenden Gesprächen mit der Bahn immer wieder Thema, sagte Junge-Reyers Sprecherin Manuela Damianakis gestern. Und in diesen Gesprächen habe die Senatorin dem Bahnchef auch persönlich deutlich gemacht, dass die Bahn die westliche Innenstadt und den Bahnhof Zoo nicht links liegen lassen dürfe. Ein Bahnsprecher betonte gestern, dass eine Entscheidung erst fallen werde, wenn die Bahn mit allen Seiten gesprochen habe.

Unterstützung bekommt der Senat für seine Position von der grünen Bundestagsabgeordneten Franziska Eichstädt- Bohlig. „Der Bahnhof Zoo muss Fernbahnhof bleiben, andernfalls wird die Attraktivität des Ku’damms abnehmen“, erklärte sie. Darüber hinaus dürfe die Bahn nicht vergessen, dass der Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof quasi im Niemandsland stehe. Das liege auch an der mangelnden Anbindung des neuen Bahnhofs an den Nahverkehr.

Wie berichtet, will Mehdorn den Fernverkehr am Bahnhof Zoo weitgehend einschränken, wenn nicht sogar einstellen. Sicher ist, dass die Züge des Nord-Süd-Verkehrs, also von Dresden nach Hamburg, durch den neuen Tiergartentunnel fahren werden. Mehdorn versicherte bei der IHK-Veranstaltung, dass die erste Stufe des Hauptbahnhofs und des Bahnhofs Papestraße pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft 2006 in Dienst gestellt wird.

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