Berlin : Bahnerpresser verhaftet

Festnahme nach fingierter Geldübergabe - Drohbriefe an die Berliner Konzernzentrale

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Seit zwei Wochen wurde der in Berlin sitzende Bahn-Konzern erpresst – in der Nacht zu gestern hat die Polizei bei einer fingierten Geldübergabe den Verdächtigen und dessen Frau bei Springe in Niedersachsen festgenommen. Die Frau wurde nach der Vernehmung freigelassen, weil sie nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft von den Plänen ihres Mannes nichts wusste. Womit der 45-Jährige gedroht hatte, wurde nicht mitgeteilt. Ein Bahnsprecher sagte nur, man sei erleichtert, dass die Festnahme gelungen sei. Anschläge hatte es nicht gegeben. Nach ersten Erkenntnissen der Berliner Staatsanwaltschaft besaß der Festgenommene nicht die Mittel, die angekündigten Taten umzusetzen.

Die Berliner Staatsanwaltschaft führt die Ermittlungen, weil der mutmaßliche Erpresser der Bahn Anfang Februar in Berlin einen Tonträger zuschickte, auf dem nach Angaben des Sprechers der Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald, mit einer verzerrten Stimme ein hoher Geldbetrag gefordert worden war. Ob er auch Anschläge auf Anlagen der Bahn in Berlin vorhatte, wurde nicht mitgeteilt.

Die Polizei vereinbarte mit dem Mann eine Geldübergabe. Dabei lockte der Tatverdächtige die vermeintlichen Geldboten von Göttingen über Hannover, Braunschweig und Hameln nach Springe. Rund 70 Beamte aus Berlin überwachten gemeinsam mit Kollegen aus Niedersachsen die Aktion. Gegen den geständigen Mann wurde Haftbefehl erlassen.

Die Bahn ist – wie auch Lebensmittelkonzerne – schon mehrfach erpresst worden. Sie könne ihr Streckennetz auch nicht komplett vor Anschlägen schützen, sagte gestern Bahnchef Hartmut Mehdorn.1998 waren im Berliner Raum Anschläge verübt worden. Ein ICE war dabei mit 250 km/h über ein Gleisstück gerast, an dem Schrauben gelöst und die Schienen angehoben worden waren. Passiert war nichts. Kurz darauf entdeckten Bahnmitarbeiter bei Angermünde ein weiteres auf diese Art präpariertes Gleisstück. Zwei Tage später entgleiste ein Güterzug bei Anklam, weil an den Gleisen manipuliert worden war. Wenige Tage später nahm die Polizei die Täter fest. kt

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