Bahnhof Friedrichstraße : Mitten in Berlin kann man bis Polen sehen

Am Bahnhof Friedrichstraße ermöglicht ein Multimediazelt einen verblüffenden Kurztrip. "Luneta" ist Teil des Projekts „Breslau – Berlin“.

Simin Jawabreh
Breslauer Fenster.
Breslauer Fenster.Foto: Simin Jawabreh

Von außen blaues Zelt – von innen andere Welt. „Luneta“ heißt das Ganze, polnisch für „Teleskop“. Wer Luneta vor dem Bahnhof Friedrichstraße in Mitte betritt, steht auf einmal vor einer anderen Station – dem Hauptbahnhof in Breslau. Dort sind Kameras installiert, deren Bilder in Echtzeit in das Zelt in Berlin übertragen werden. Der Besucher sieht nicht nur, was in diesem Moment in der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt passiert, sondern hat sogar das Gefühl, live dabei zu sein.

Das ganze Zelt ist von innen mit 60 hochauflösenden Bildschirmen auskleidet, dadurch wirkt es wie ein transparenter Raum mitten in Breslau. „Was man mit Technik alles machen kann – unglaublich!“, staunt eine Besucherin. „Wow überall Fernseher!“, sagt ein kleines Mädchen.

Luneta funktioniert auch in die andere Richtung. Wer das Luneta-Zelt in Polen betritt, findet sich am Bahnhof Friedrichstraße wieder. Doch das ist nicht alles: Einige Bildschirme zeigen das Innere des jeweils anderen Luneta-Zelts. Wer sich davor stellt, kann mit den Besuchern in der Ferne in Kontakt treten, ebenfalls in Echtzeit. So wird gewinkt oder auch mal eine Grimasse geschnitten. Über ein gläsernes Touchpad können die Besucher auch miteinander chatten.

Ort des Austausches und Beisammenseins

Doch bei Späßchen soll es nicht bleiben: Zu Luneta, das Teil des Kulturaustauschsprojekts „Breslau – Berlin“ ist, gehört auch ein Programm mit Lesungen, Konzerten und Gesprächsrunden, auch Schülerklassen sollen hier experimentieren. Luneta ist nicht nur Zeichen der Verbundenheit – vor 25 Jahren wurde der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag unterzeichnet –, sondern auch Ort des Austausches und Beisammenseins.

Entworfen wurde Luneta vom Schöneberger Architekten Volkmar Umlauft. Schon 2013 fingen die Vorbereitungen an, als er von der Stiftung Zukunft Berlin den Auftrag erhielt, eine Installation zum Thema Kulturhauptstadt Breslau zu entwerfen. „Ich fand es erstaunlich, dass Breslau geografisch Berlin recht nah, aber in den Köpfen weit entfernt ist.“ So machte er es sich eben zur Aufgabe, Breslau nach Berlin zu holen. Bis zum 3. Juli ist die Kurzstrecke nach Polen via Luneta noch möglich. Danach muss sich jeder wieder in die Bahn setzen.

Luneta am Bahnhof Friedrichstraße, Dorothea-Schlegel Platz, ist täglich von 10 bis 22 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet

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