Berlin : Bahnhof Potsdamer Platz: Station des Stillstands

Klaus Kurpjuweit

Was für Bahnhöfe! Wie beim Lehrter Bahnhof wird auch am Potsdamer Bahnhof seit Jahren gebaut, ohne dass es richtig voran geht. Dabei gibt es am Potsdamer Platz gleich zwei Stationen: den Neubau für den Regionalverkehr und den Altbau der S-Bahn. Bewegt hat sich vor allem der S-Bahnhof - um sieben bis zwölf Zentimeter, bedingt durch die gewaltigen Baugruben in der Nachbarschaft. Die Folge sind Risse in den neu angebrachten Platten auf den S-Bahnsteigen und Undichtigkeiten in den Wänden, durch die nun Wasser eindringt und die weißen Glasplatten verdreckt. Der Schuldige wird hier noch gesucht. Ein riesiges Kompetenzgerangel verschleppt zudem die weiteren Arbeiten, deren Ende nicht abzusehen ist. Begonnen hatten sie 1992.

Der S-Bahnhof mit seinen zwei Bahnsteigen und vier Gleisen ist bereits weitgehend optisch in den Originalzustand der 30er Jahre versetzt worden. Die kahlen Betonwände, die es 1992 bei der Wiedereröffnung der 1961 stillgelegten Station noch gegeben hatte, sind inzwischen mit so genannten Opoxid-Platten aus Tschechien verkleidet, die den Originalen nachempfunden sind. Nackt zeigen sich nur noch die Wände, Stützen und die Decke am südlichen Ende der Halle, wo nachträglich ein Bahnsteig "auf Vorrat" für eine künftige U-Bahn-Linie U 3, die einmal den Adenauerplatz in Charlottenburg mit Weißensee verbinden soll, betoniert worden ist.

Für den U-Bahn-Bau war die Senatsverkehrsverwaltung zuständig. Sie muss dafür auch die Kosten im Bereich des S-Bahnhofs übernehmen. Weil aber auch lange nach Abschluss der Arbeiten am U-Bahn-Rohbau das Geld noch nicht geflossen ist, stolpern Fahrgäste hier weiter über eine Baustelle. Etwa 500 000 Mark sind erforderlich, um auch in diesem Bereich Platten auf dem Fußboden und an den Wänden anzubringen. Die Bahn werde die Kosten nicht vorstrecken, heißt es dort. Sie baue erst, wenn das Geld da sei.

Ein ähnliches Hin und Her gibt es auch bei vielen der insgesamt neun Zugänge. Am Leipziger Platz sollen auf beiden Straßenseiten die alten Eingänge wieder hergestellt werden, gekrönt jeweils von einem Torhäuschen. Für den südlichen Eingang ist die BVG zuständig, weil er später zur U 3 führen wird, der Nordeingang dagegen gehört zur Bahn, und für die Torhäuschen wiederum ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zuständig. Vorbild sind die Schinkel-Pavillons, die einst am Leipziger Platz standen. Unter einen Hut sind die Verantwortlichen auch hier noch nicht gebracht.

Die Bahn lehnte den Entwurf für die Häuschen ab, der von Oswald Mathias Ungers stammt. Das Dach war ihr zu klein, der Wetterschutz nicht gegeben - und damit seien die Bauten nicht förderungswürdig gewesen. Jetzt habe man sich zwar auf ein größeres Dach geeinigt, doch noch nicht über die Finanzierung, so die Bahn. Rund 3,5 Millionen Mark, die Berlin aufbringen muss, sollen die Bauten kosten. Ohne Einigung gibt es auch keine Aufzüge, die in die Pavillons integriert werden sollen.

So sieht es auch am Zugang von der Stresemannstraße ins Untergeschoss aus, der sich dort befindet, wo einst die Info-Box stand. Er würde den Fahrgästen das Überqueren der Stresemannstraße ersparen. Zuständig für den Eingang ist wiederum die BVG, weil er zur U 3 führt, die vielleicht nie gebaut werden wird. Die BVG muss den Zugang jetzt finanzieren, den dann die Bahn betreuen will. Über die Verteilerhalle im Untergeschoss können die Fahrgäste dann auch die S-Bahnsteige erreichen.

Hier musste die Entscheidung schnell fallen, denn die Bahn will jetzt mit dem weiteren Ausbau der Verteilerhalle beginnen, zu der der Zugang führt. Die Anlage umfasst etwa 5000 Quadratmeter und gehört zu den großzügigsten unterirdischen Verkehrsbauten der Stadt. In dem 1939 eröffneten Bahnhof gab es in der Verteilerhalle neben den Fahrkartenverkaufsschaltern eine Ladenstraße, eine Gaststätte und sogar eine Apotheke und eine Gepäckaufbewahrung.

Das Bahnkonzept sieht hier eine "historische Sanierung mit neuer Nutzung" vor. Saniert wird dabei die noch vorhandene Fahrkartenausgabe, die jetzt hinter Brettern versteckt ist. Dazu lässt die Bahn sogar die historischen Fenster nachbauen, auf eigene Kosten. Auch Geschäfte soll es wieder geben, und einen BGS-Stützpunkt. Nach Abschluss der Arbeiten soll es zudem Fahrtreppen von der Halle zu den Bahnsteigen geben. Die Öffnungen in der Decke sind bereits vorhanden - ganz planmäßig in diesem Bahnhof, in dem so vieles unplanmäßig abläuft, zum Nachteil der Fahrgäste.

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