Bahnhof Zoo : Autos sollen unter den Hardenbergplatz

Der Baustadtrat will eine privat finanzierte Tiefgarage vor dem Bahnhof Zoo möglichst schon 2009. Aber auch Landesmittel sind nötig.

Christian van Lessen
Hardenbergplatz
Tiefergelegt. Bald könnten die Autos vom Hardenbergplatz verschwinden. -Foto: Rückeis

Die Parkplätze auf dem Hardenbergplatz sollen möglichst bald unter die Erde: Schon 2009 könnte eine Tiefgarage mit 450 Plätzen entstehen – wenn es nach den Vorstellungen von Klaus-Dieter Gröhler (CDU) geht, dem Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Vorplanung sei abgeschlossen, das Projekt „technisch machbar“. Mit der Firma Wöhr + Bauer stehe auch ein potenzieller Investor zur Verfügung. Nur bei der anschließenden neuen Platzgestaltung werde man um Landesmittel wohl nicht herumkommen, allein könne der Bezirk das nicht stemmen, sagt Gröhler. Dieses Geld, ein „noch einstelliger Millionenbetrag“, müsste noch aufgetrieben werden.

Dass die Parkplätze auf dem Hardenbergplatz „nicht mehr zeitgemäß“ sind, meint auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Man halte eine Tiefgarage nicht für zwingend, könne sie sich aber vorstellen, allerdings nicht die öffentliche Finanzierung ihrer Folgen. Auch müsste das Projekt ausgeschrieben werden. Gröhler lässt das prüfen, schließt nicht aus, auch mit anderen interessierten Investoren ins Gespräch zu kommen. Von Wöhr + Bauer war am Montag keine Auskunft zu erhalten.

Das Unternehmen baut gerade die Tiefgarage am Alexanderplatz und errichtete auch die Anlage unter dem Bebelplatz. Der Baustadtrat betont, die Zahl der unterirdischen Stellplätze entspreche etwa der oben wegfallenden, wie es ein Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung über eine mögliche Tiefgarage vorsehe. Er werde mit den Fraktionen über das Projekt noch sprechen müssen. Der individuelle Verkehr gehöre jedenfalls nicht auf den Hardenbergplatz, hier solle ein „Stadtplatz“ entstehen, der sich beispielsweise auch als Veranstaltungsort besser eigne als der Breitscheidplatz. Künftig sollten die Busse direkt vor dem Bahnhof halten können, das Umsteigen werde erleichtert, ebenso der Zugang zum Zoo und zum künftigen Riesenrad. Fußgänger könnten bequem über den Platz schlendern, müssten nicht ständig auf Busspuren und Parkhäfen achten.

Auf skeptische Einwände der Senatsbehörde, dass die Frage der Zu- und Abfahrten geklärt werden müsse, hat Gröhler nach seinen bisherigen Planungen eine Antwort: Die Zufahrt werde in Höhe der McDonald’s Filiale am Eingang des Platzes ein, die Abfahrt kurz vor der Hertzallee, die Autos zur Fasanenstraße abgeleitet. Der Platz bliebe unbehelligt. Der Baustadtrat betont, dass eine Tiefgarage nötig ist, weil das geplante Riesenrad und die vorgesehenen Hochhausprojekte wie das „Zoofenster“ an der Hardenbergstraße und das Bauvorhaben auf dem einstigen Schimmelpfeng-Gelände „keine eigenen Parkhäuser mitbringen“. Auch fielen durch den geplanten Umbau am Zoopalast rund 150 Stellflächen weg. Die City-West werde zusätzlich genutzt, eine Tiefgarage sei zwingend, wenn man den Platz von Autos freihalten wolle. Gröhler hatte zunächst gehofft, Tiefgarage und Platz könnten privat finanziert werden, „aber das wird so nicht gelingen“.

Die Platzgestaltung ist Aufgabe des Bezirks, ob die Senatsbehörde darüber froh ist – darüber will sie sich vielsagend nicht öffentlich äußern. Es gab Zeiten, da hatte sie die Gestaltung vieler bedeutender Plätze, auch des Hardenbergplatzes – selbst in der Hand. Über seine Neuordnung und das Ende der Blechlawinen wird allerdings schon seit Jahrzehnten ohne Ergebnis diskutiert. Der Bau einer Tiefgarage wurde bereits in einem Ideenwettbewerb von 1980 vorgeschlagen – als Alternative auch der Bau eines Parkhauses auf fast fünf Meter hohen Stelzen gegenüber dem Bahnhof Zoo längs des Zoologischen Gartens. Die Senatsbehörde wies schon damals darauf hin, dass die Landeskasse für eine Neugestaltung kein Geld habe. Nun könnte mit privatem Geld zumindest die Tiefgarage gebaut werden. Was aber wie darüber entsteht – das ist noch eine sehr offene Frage.

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