Bahnhof Zoo : Zigarettenkippe löste Brand in U-Bahntunnel aus
24.01.2012 00:00 UhrDie Kriminalpolizei ermittelt - und findet jede Menge Müll.
Bei einer ersten Inspektion durch die für die BVG zuständige Technische Aufsichtsbehörde wurde kein Kurzschluss oder technischer Defekt erkannt. Deshalb wurde die Kriminalpolizei eingeschaltet. Diese fand an der Brandstelle direkt neben einem Signal jedoch keine Hinweise auf Brandstiftung. Dem Vernehmen nach berichteten Kriminalbeamte von „reichlich trockenem Müll“ im Tunnel. Die BVG widersprach dem – der Tunnel sei „sauber“. Die Strecke war erst nach mehr als drei Stunden befahrbar.
Der Schwelbrand vor zehn Tagen in Steglitz war nach BVG-Angaben hingegen durch herumfliegenden Müll verursacht worden, der sich an einem Stromabnehmer verfangen und einen Kurzschluss ausgelöst hatte. Bei dem Brand vor einer Woche am U-Bahnhof Möckernbrücke in Kreuzberg habe vermutlich ebenfalls eine Zigarettenkippe oder ein elektrischer Lichtbogen Plastikmüll entzündet.
Experten der Feuerwehr wunderten sich über den dritten Einsatz bei der BVG in so kurzer Zeit. Wie berichtet, gibt es in anderen deutschen Städten mit U-Bahnen äußerst selten Brände. Die BVG verweist auf das mehr als 50 Kilometer lange Tunnelsystem – weitaus mehr als anderswo.
Bei der Hamburger U-Bahn zum Beispiel hatte es zuletzt vor fünf Jahren an einem Zug gebrannt. Dort führt man dieses gute Ergebnis auf ein „intensives Pflegeprogramm“ zurück, Tunnel und Bahnhöfe würden regelmäßig gereinigt. In Berlin werden die Tunnel einmal pro Jahr gründlich gereinigt.
Die seit Ende der 80er Jahre beschafften Züge vom Typ DT4 haben eine automatische Feuerlöschanlage im Zug, die auf Hitze reagiert. Die ganz neuen Züge vom Typ DT5 bekommen neben dieser Sprinkleranlage sogar Temperaturfühler in der Fahrzeugelektrik. In Hamburg und auch in München gibt es erste Bahnhöfe mit Sprinkleranlagen und Rauchmeldern.
Der Bundesverband Technischer Brandschutz hält Sprinkleranlagen in Zügen für unerlässlich, „um die Ausbreitung eines Brandes zu verhindern“. Vorgeschrieben sei dies aber nicht. Bei der BVG könnten die neuen Züge für die Kleinprofillinien (U1 bis U4) eine solche Anlage erhalten, sagte eine Sprecherin, dies stehe aber „auf der Prioritätenliste nicht oben“. Diskutiert wird über diese Technik seit der Beinahe-Katastrophe bei der S-Bahn im Anhalter Bahnhof 2004. Damals war ein Zug im Tunnel vollständig ausgebrannt.
Die BVG-Sprecherin kündigte an, dass in neuen Tunneln wie dem der Linie U 55 sämtliche Kabel in der Decke verlegt werden. Bislang verlaufen die teilweise sicherheitsrelevanten Kabel offen neben den Gleisen, wo sie bei Bränden gefährdet seien. Bei Sanierungen sollen alle Tunnel langfristig nachgerüstet werden, hieß es, die ersten kurzen Abschnitte seien bereits fertig.











