Berlin : Bahnhof Zoo ist Spitzenreiter bei den unpünktlichen Zügen

KLAUS KURPJUWEIT

61 Prozent kamen im Test zu spät an / Nahverkehr pünktlicher als der Paradezug ICEVON KLAUS KURPJUWEITBERLIN.Im Hotel Adlon lobte Bundeskanzler Helmut Kohl gestern die Bahn als vorbildliches Unternehmen für ganz Europa.Wäre er mit dem Zug nach Berlin gekommen, wäre sein Urteil wahrscheinlich anders ausgefallen.Der Bahnhof Zoo, nur wenige Kilometer vom Adlon entfernt, hält nämlich einen besonderen Negativrekord: Er ist in einem Vergleich der Stiftung Warentest die Station mit den häufigsten Zugverspätungen.61 Prozent aller Züge kamen danach zu spät an.Auf den wesentlich größeren Bahnhöfen in Dortmund und München waren es dagegen nur 26 beziehungsweise 29 Prozent. Stundenlange Verspätungen gab es zuletzt auf dem Bahnhof Zoo am vergangenen Freitag.Bei Magdeburg hatte ein Blitz die Oberleitung lahmgelegt; mehrere Züge fielen dadurch ganz aus, andere verspäteten sich.Doch wichtiger als solche Ausreißer war für Warentest, wie Sprecher Michael Koswig sagte, die Pünktlichkeit im Normalverkehr. Zwei Wochen lang hatten Warentest-Inspektoren auf zehn großen Bahnhöfen deshalb das Einhalten der Fahrpläne überwacht.Als verspätet werteten die Tester danach bereits Züge, die mindestens zwei Minuten nach Plan ankamen.Für die Bahn selbst gilt ein Zug erst als verspätet, wenn er dem Plan fünf und mehr Minuten hinterherfährt.Mit einem Anteil bei den verspäteten Zügen von 61 Prozent rangierte der Bahnhof Zoo an der Spitze, gefolgt von Dresden, wo 56 Prozent aller Züge verspätet ankamen.In Lichtenberg lag die Quote bei 41 Prozent. Dabei stellten die Fahrplantester ein besonderes Phänomen fest: Die Nahverkehrszüge waren in der Regel pünktlicher als der prestigeträchtige Fernverkehr mit dem Paradezug ICE.Dies erklärt den hohen Verspätungswert im Bahnhof Zoo, denn dort halten fast nur Fernverkehrszüge, während in Lichtenberg auch viele Nahverkehrszüge stoppen.Zudem leidet der Betrieb im Bahnhof Zoo derzeit darunter, daß der Bahnhof Endstation ist, obwohl er dafür gar nicht ausgelegt ist.Erst wenn die Stadtbahn saniert und wieder für den Fernverkehr genutzt werden kann, wird sich dies ändern.Zudem fährt der ICE im Berlin-Verkehr zum Teil über eingleisige Strecken wie auf der Hildesheimer Kurve, die verspätungsanfällig sind. Mehrfach durch Verspätungen fielen die Interregio-Züge von Schiphol auf, die um 16.12 Uhr und 20.12 Uhr ankommen sollten.Verspätungsanfällig waren auch die ICEs von Köln (20.51 Uhr) und von München (21.01 Uhr) sowie der IC von München mit der planmäßigen Ankunft um 22.19 Uhr. Unzureichend war für die Tester auch die Information bei Verspätungen.Bei einem Viertel der unpünktlichen Züge wurden die Wartenden überhaupt nicht informiert. Bahnsprecherin Marlene Schwarz wies gestern darauf hin, daß der Verkehr zugenommen habe und daß viel gebaut werde.Ansonsten wolle sie auf den Bericht warten.Er wird in dem Sonderheft "Fahren & Sparen" veröffentlicht, das von heute an verkauft wird (Preis 9,80 Mark).Das Heft enthält außerdem Tips zum Fahrscheinkauf, beschäftigt sich aber auch mit den Preisen rund ums Auto und Fahrrad.

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