Berlin : Bahnhof Zoo: Kunden lassen sich nicht abhängen

– Ex-Pastorin gründet Verein der Unzufriedenen unterstützt von City West und Bürgermeisterin

Cay Dobberke

Schon wieder bekommt Bahnchef Hartmut Mehdorn Gegenwind in Berlin. Nach der gerichtlichen Niederlage gegen Architekt Meinhard von Gerkan im Prozess um die Hallendecke im neuen Hauptbahnhof und monatelangen Protesten gegen die Abkopplung des Bahnhofs Zoo vom Fernverkehr hat sich nun auch noch ein „Verein unzufriedener Bahnkunden“ gegründet. Die Initiatorin Helga Frisch ist als Mehdorn-Kritikerin bekannt, sie hatte auch die „Bürgerinitiative gegen die Schließung des Fernbahnhofs Zoo“ ins Leben gerufen.

Viele Beschwerden über die Bahn „landeten sowieso schon bei mir“, sagte Frisch am Montag. Bisher habe sie rund 3000 Anrufe und 1500 Briefe erhalten. Jetzt „decken wir auf, was bei der Bahn schiefläuft und die Kunden aufregt“, kündigte die ehemalige Pfarrerin aus Grunewald an. Mehdorns „träger Konzern“ müsse „auf Trab gebracht“ werden.

Frischs Mängelliste ist lang: Es gehe um Verspätungen, den angeblich schlechten Service, steigende Preise, verschmutzte Bahnhöfe und Züge, mangelhaft abgestimmte Fahrpläne sowie „Skandale und Verschwendung von Steuermitteln“ oder „überhöhte Gehälter“ der Bahnvorstände und Aufsichtsräte. Der Verein will bundesweit agieren – zunächst hauptsächlich über seine Internetseite.

Helga Frisch will auch mit bestehenden Interessenvertretungen kooperieren. Vertreter der Vereine „Pro Bahn“ und Berliner Fahrgastverband IGEB möchte sie möglichst bald in ihren Vorstand aufnehmen. Zum Gründungsvorstand gehört Peter-Michael Riedel vom Verein „Kurfürstendamm Interessengemeinschaft“. Auch die Arbeitsgemeinschaft City und das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf unterstützen den Verein.

Für Bürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) steht nach wie vor der Kampf um den Bahnhof Zoo im Mittelpunkt; trotz zahlreicher Proteste halten dort seit Mai keine Fernzüge mehr. Die Bürgerinitiative hat bis jetzt 140 000 Unterschriften gesammelt und zweimal Menschenketten um den Bahnhof organisiert, weitere Aktionen sollen folgen. Die Unterschriftensammlung habe Bahnchef Mehdorn bisher nicht beeindruckt, bedauerte Helga Frisch. Aber sie ist sicher: „140 000 Vereinsmitglieder kann er nicht so einfach ignorieren.“

In den Verein hat die Theologin nach eigenen Angaben knapp 2000 Euro investiert. Künftig soll ein Jahresbeitrag von zwölf Euro die Finanzierung sichern. Neben dem Internetforum sind Podiumsdiskussionen und „eine Vereinszeitung oder ein Rundbrief“ geplant. Interessenten können sich im Internet informieren.

Ein Bahnsprecher sagte auf Nachfrage, sein Unternehmen habe sich „konstruktiver Kritik nie verschlossen“. Man stehe in ständigem Kontakt zu „Pro Bahn“, dem Berliner Fahrgastverband sowie der „Schlichterstelle Mobilität“, die zum Verkehrsclub Deutschland (VCD) gehört. Ob der neue Verein als weiterer Partner infrage komme, müsse sich erst noch zeigen. Hinsichtlich des Bahnhofs Zoo ändere die neue Protestbewegung jedenfalls nichts.

Forum und Informationen im Netz: www.unzufriedene-bahnkunden.de

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