Berlin : Bahnhof Zoo: Unterirdisch parken

Cay Dobberke

Charlottenburg / Mitte. Die Münchner Firma Wöhr + Bauer GmbH erwägt, außer der umstrittenen Tiefgarage am Bebelplatz in Mitte auch etwa 500 unterirdische Stellplätze am Hardenbergplatz neben dem Bahnhof Zoo zu bauen. Die Zu- und Ausfahrten könnten zur Hardenbergstraße hin entstehen. Geschäftsführer Wolfgang Roeck sprach jetzt mit Baustadtrat Alexander Straßmeir (CDU), der die Idee unterstützt. Bezirksverordnete der SPD und Grünen reagierten dagegen skeptisch.

Das Konzept ist laut Roeck noch in einem frühen Stadium. "Ich weiß nicht, wie das im Bezirk aufgenommen wird." Stadtrat Straßmeir will den Platz vom Verkehr befreien, er denkt auch an unterirdische Bushaltestellen und Taxi-Warteplätze. Dies könne "ohne öffentliches Geld" geschehen. Anders sieht es die SPD-Baupolitikerin Monica Schümer-Strucksberg: Erfahrungsgemäß brächten Tiefgaragen nicht weniger, sondern zusätzlichen Verkehr. Der Grünen-Verordnete Claudio Struck hat "Zweifel, ob es den Bedarf gibt". Er findet die Verkehrslage am Bahnhof Zoo "derzeit nicht dramatisch" und lehnt es ab, dass "der Hardenbergplatz für längere Zeit zur Baustelle wird". Die Senatsbauverwaltung befürwortet grundsätzlich eine Umgestaltung und Verkehrsberuhigung. Die neuen Pläne kenne Senatsbaudirektor Hans Stimmann aber nicht, sagte Sprecherin Petra Reetz.

Vorschläge für eine Tiefgarage gab schon vor Jahren, aber laut Struck wurde "nie ernsthaft diskutiert, weil kein Investor in Sicht war". Zu den Befürwortern zählten die Bahn und die AG City. Allerdings setzen diese inzwischen mehr auf ein weiteres Projekt: Statt eines Multiplex-Kinos ist neuerdings auf dem Parkplatz des "Ullrich"-Supermarkts neben dem Theater des Westens an der Kantstraße ein oberirdisches Parkhaus geplant (zusammen mit einem Mittelklassehotel, Läden, einem Restaurant und einer Bowlingbahn). Die Firma "Parking Partner" und Architekt Steffen Lehmann möchten etwa 600 Stellplätze schaffen. Die Bahn wolle 100 davon als "Park-and-Ride"-Plätze mieten, heißt es.

Sollten beide Investoren an ihren Plänen festhalten, ist nach Meinung des AG-City-Vorsitzenden Peter Hosemann "eine Erhebung zum Bedarf nötig". Auch die Bebauung des Ullrich-Parkplatzes muss aber noch in der BVV diskutiert werden, ein Bauantrag liegt bisher nicht vor. Stadtrat Straßmeir kritisiert, das Vorhaben habe "nicht die städtebauliche Qualität, die ich mir an dieser Stelle wünsche".

Unterdessen hat das Bezirksamt Mitte angekündigt, die knapp 500 Tiefgaragenplätze unter dem Bebelplatz bis Mitte Juni zu genehmigen, weil sonst eine Schadensersatzklage drohe. Kritiker fürchten eine Beeinträchtigung des Mahnmals auf dem Bebelplatz, das an die Bücherverbrennung der Nazis im Jahre 1933 erinnert. Wöhr + Bauer hat aber einen Erbbaurechtsvertrag mit dem Senat geschlossen. Im Abgeordnetenhaus fand ein ablehnender PDS-Antrag keine Mehrheit. Nun droht der Gestalter des Mahnmals, der Künstler Micha Ullmann, mit einer Klage.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben