Bahnhofsmission Zoologischer Garten : Große Hilfsbereitschaft nach Spendenaufruf

Nach einer Fehlkalkulation bittet die Bahnhofsmission am Zoologischen Garten die Berliner um Spenden – mit sehr großem Erfolg.

Yves Bellinghausen
Nach einer Fehlkalkulation startete die Bahnhofsmission am Zoo einen Spendenaufruf - mit Erfolg, wie man sieht.
Nach einer Fehlkalkulation startete die Bahnhofsmission am Zoo einen Spendenaufruf - mit Erfolg, wie man sieht.Foto: Dorisi Spiekermann-Klaas

Vor der Bahnhofsmission am Zoologischen Garten konnte es in den letzten Tagen voll werden. Anfang der Woche musste die Bahnhofmission die Berliner um Hilfe bitten – und die Bürger kamen. Hintergrund war eine Fehlkalkulation des Leiters Dieter Puhl: „Ich habe mich bei der Bestellung für die wöchentlichen Lieferungen vertan. Deshalb bekommen wir diese Woche zu wenig Essen von der Tafel“, gibt er offen zu. Am Dienstag startete er seinen Spendenaufruf: Er bittet auf Facebook um Spenden und meldet sich bei Berliner Zeitungsredaktionen – auch dem Tagesspiegel. Die Reaktionen auf den Engpass sind überwältigend. Mehr als 100 Leute würden seit dem Aufruf täglich Spenden abgeben, bei einigen Produkten herrscht nun sogar Überfluss.

„Der Berliner hat eine harte Schale, aber innen ist er ein Weichei“

Die kurzfristige Spendenbereitschaft ist elementar für die Bahnhofsmission. „Der Berliner hat eine harte Schale, aber innen ist er ein Weichei“, sagt Puhl lachend, „aber das meine ich positiv! Wenn es ernst wird, kann man sich auf ihn verlassen“, schiebt Puhl nach. Die Leute würden auch deshalb gerne spenden, weil die Bahnhofsmission sich über die Jahrzehnte eine gewisse Glaubwürdigkeit erarbeitet habe. Skandale habe es in der 120-jährigen Geschichte nicht gegeben, sagt er.

Die Spender würden aus allen Teilen der Gesellschaft kommen. „Ich habe hier Kinder, die sind sieben Jahre alt. Die wollen mir ein paar Euro von ihrem Taschengeld geben. Aber auch Greise kommen hier hin. Arme, Reiche – wirklich alle.“ Im Minutentakt dröhnen die S-Bahnen über dem Büro hinweg. Nebenan sitzen Spender, trinken Kaffee und wärmen sich auf.

Puhls Hoffnung: Dass die Spender regelmäßig kommen

„Ich habe genug und dafür bin ich dankbar. Da kann ich auch was abgeben“, sagt eine 84-jährige Dame. Sie hatte von dem Engpass gelesen und ist spontan eingesprungen. „Ich wollte sowieso nochmal hierher kommen, aber das hat mir den nötigen Anstoß gegeben“, sagt sie. Ein paar Meter weiter lehnt Andrea K. (48) an der Wand und unterhält sich mit einem Mitarbeiter. Auch sie hat aus der Presse von der Notsituation erfahren: „Eigentlich war ich gerade auf dem Weg in eine Ausstellung. Auf dem Weg habe ich dann schnell einen Kuchen gekauft und den hier abgegeben.“ In der Vergangenheit war Dieter Puhl immer wieder in den Medien präsent. Dadurch hat er viele wertvolle Mitarbeiter und Spender gewonnen. Puhls Hoffnung angesichts der übergroßen Hilfsbereitschaft: Dass von den vielen Spendern, die in den letzten Tagen ihre Großzügigkeit bewiesen haben, einige künftig regelmäßig kommen.

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