Bahnstreik : Ganz Berlin wird heute zur Staufalle

Kein Zug, keine S-Bahn fährt mehr: Beim Ausstand der Bahn-Mitarbeiter kann auch die BVG nicht in die Bresche springen. Ersatzverkehr mit Bussen ist nicht vorgesehen.

Klaus Kurpjuweit

Hunderttausende Berliner und Brandenburger werden heute zu spät zur Arbeit oder in die Schule kommen, falls sie bei der Fahrt auf die S-Bahn oder einen Zug im Fern- oder Regionalverkehr der Deutschen Bahn angewiesen sind. Zwischen 5 Uhr und 9 Uhr soll sich nach dem Willen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) kein Rad mehr auf der Schiene drehen. Und auch nach dem Ende des Streiks wird es erfahrungsgemäß mehrere Stunden dauern, bis sich der Betrieb normalisiert hat.

Außer dem Auto, dem Fahrrad oder einem ausgiebigen Fußmarsch haben die Kunden der Bahn kaum eine Alternative. Die S-Bahn könne bei einem Streik auf dem gesamten Netz keinen Ersatzverkehr mit Bussen anbieten, sagte Sprecher Gisbert Gahler gestern. Die S-Bahn bringe in der Zeit, in der gestreikt wird, werktags etwa 400 000 Fahrgäste an ihr Ziel. Dies sei mit Bussen nicht zu schaffen. Außerdem liegen die Bahnhöfe oft so, dass sie mit Bussen nur auf komplizierten Routen zu erreichen seien.

Auch die BVG kann nach Angaben ihrer Sprecherin Petra Reetz nicht in die Bresche springen. Parallelverkehr zu S-Bahn-Strecken habe man in den vergangenen Jahren weitgehend aufgehoben. Die BVG werde aber dort, wo die Zahl der Fahrgäste erheblich steige, versuchen, kurzfristig mehr Fahrzeuge einzusetzen. Allerdings hat auch die BVG kaum noch Reserven – weder bei den Fahrzeugen noch bei den Fahrern.

Der GDL-Bezirksvorsitzende Hans-Joachim Kernchen hat allerdings versprochen, dass kein Zug und auch keine S-Bahn streikbedingt mit Fahrgästen an Bord auf freier Strecke stehen bleiben werde. Die Lokführer sollten ihre Züge auf jeden Fall bis zu einem Bahnhof fahren und die Fahrt erst dort beenden. Wo dies wider Erwarten nicht möglich sein sollte, würden die Lokführer zusammen mit der Leitstelle der Bahn versuchen, schnell eine Lösung zu finden. Die Fahrgäste sollten nicht „über Gebühr strapaziert“ werden, sagte Kernchen.

Ob Arbeitgeber bei einem verspäteten Arbeitsbeginn den Streik als Entschuldigung akzeptieren, sei vom Einzelfall abhängig, sagte ein Arbeitsrechtler. Ein Arbeitgeber könne auch erwarten, dass die Mitarbeiter nach Alternativen suchen, weil der Streik angekündigt worden war.

Doch selbst wer auf ein Auto ausweichen kann, hat keine Garantie, pünktlich anzukommen. Vor allem die großen Zufahrtsstraßen aus Brandenburg nach Berlin werden wohl verstopft sein. 160 000 Brandenburger fahren täglich zur Arbeit nach Berlin. Und in der Stadt bremsen zahlreiche Baustellen das Fortkommen (siehe unten).

Einen Vorgeschmack auf Zugausfälle bekamen S-Bahn-Fahrgäste bereits gestern – nach technischen Defekten. Eine Signalstörung bremste zwischen 4 Uhr und 8 Uhr den Verkehr auf dem Ring. Zwischen Westend und Beusselstraße fuhren die Züge zum Teil lediglich im Abstand von einer halben Stunde. Züge aus Königs Wusterhausen, Schönefeld und Spindlersfeld endeten zeitweise bereits in Schöneweide. Bereits um 4.20 Uhr war eine Bahn nach Bremsproblemen im Bahnhof Pankow liegen geblieben. Etwa zehn Züge fielen danach nach Angaben der S-Bahn aus.

Die Staustellen in der Übersichtskarte:

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