Bahnstreik : Gedränge im Bus - Langeweile am Bahnhof

"Es ist extrem voll heute" stöhnten U-Bahnfahrer am Alexanderplatz. Auch in den Bussen drängten sich die Menschen bis an die Scheiben. Gähnende Leere herrschte dagegen auf dem Hauptbahnhof.

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Wartende Fahrgäste am Alexanderplatz. -Foto: dpa

Berlin       Die U-Bahnen und Busse in Berlin sind am Morgen überfüllt. Auf den U-Bahnsteigen am Alexanderplatz drängeln sich die Berufstätigen, die versuchen, ohne S-Bahnen und Regionalzüge zur Arbeit zu kommen. "Es ist extrem voll heute", stöhnt U-Bahnfahrerin Michaela Beckert. Sie fährt an diesem Morgen auf der Linie 5. Auf jedem Bahnhof muss sie warten, bis die Leute von den Türen zurücktreten. Mitnehmen kann sie nicht jeden.

Auch in den Bussen in der Innenstadt stehen die Menschen dicht an dicht - bis an die Scheiben gedrängt. "Wir können zum Teil gar nicht an jeder Haltestelle stoppen, weil einfach niemand mehr reinpasst", erzählt ein Busfahrer. Ein Ende des Gedränges ist erst viele Stunden später in Sicht: Erstmals streiken die Lokführer der Gewerkschaft GDL nicht nur wenige Stunden, sondern von Freitagfrüh um 2 Uhr bis in die Nacht zum Samstag.

Hauptbahnhof: "Sonst tobt hier das Leben"

 Von Gedränge ist am Berliner Hauptbahnhof nichts zu spüren. Am frühen Morgen sind die Gänge und Bahnsteige leer. Einige Schulklassen, Urlauber und Reisegruppen sind unterwegs. Die meisten Berufspendler haben sich offenbar schon vorher gegen die Bahn entschieden - und sind auf Taxi, Bus, U-Bahn oder Auto umgestiegen.

In den Bäckereien und Kaffeebuden am Bahnhof langweilen sich die Mitarbeiter. "Sonst tobt hier um diese Zeit das Leben", sagt ein Bäckereiverkäufer und zeigt auf die verwaisten Gänge. "Das sagt doch wohl alles." Auch Kay Backmann von der Kaffeebude nebenan wartet auf Kundschaft. "Freitags ist eigentlich unser stärkster Tag", erzählt er. "Da stehen die Kunden normalerweise reihenweise und wir kommen kaum hinterher."

Fernzüge fahren weiter nach Plan

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Wartende Fahrgäste auf dem Hauptbahnhof. -Foto: dpa

Schlangen bilden sich an diesem Morgen nicht einmal vor den Informationsschaltern der Bahn. Die Leute seien offenbar gut informiert, sagt eine Mitarbeiterin. Auf der Anzeigentafel stehen jede Menge Zugausfälle im Regionalverkehr. Bis 9 Uhr fielen nach Angaben der Bahn bundesweit 1700 Züge im Regional- und S-Bahnverkehr aus. Weil die Lokführer im Fern- und Güterverkehr nicht streiken dürfen, fahren die Fernzüge weitgehend nach Plan.

Davon hat Joachim aus Leipzig profitiert. Der Berufspendler fährt jeden Morgen nach Berlin zur Arbeit. Sein IC sei planmäßig abgefahren, erzählt er. Trotzdem ist er sauer - und müde. Um für das letzte Stück seiner Reise - vom Berliner Hauptbahnhof zu seiner Arbeitsstelle - genügend Zeit zu haben, musste er einen Zug eher nehmen, klagt er. Um 4.30 Uhr musste er aufstehen. Verständnis für die Forderungen der Lokführer-Gewerkschaft hat er nicht - auch wegen der verpassten Stunde Schlaf.

Müde steht auch ein Zugbegleiter auf dem Bahnsteig. "Ich komme gerade von der Nachtschicht", erzählt der 40-Jährige. Rund 50 Prozent der Regionalzüge seien in seiner Einsatzregion in der Nacht ausgefallen, schätzt er. In der GDL ist er nicht organisiert, den Streik findet er trotzdem richtig - auch wenn ihm der Ärger beim Pendeln selbst nicht erspart bleibt. Seit kurz vor 6 Uhr hat er Feierabend. Zwei Stunden später sitzt er immer noch am Bahnhof fest - durch einen Zugausfall nach dem anderen. "Das nehme ich aber gerne in Kauf", sagt er. "Dann gehe ich eben noch einen Kaffee trinken." Und die Mitarbeiter an der Kaffeebude sind für jede Abwechslung dankbar. (mit ddp)  

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