Berlin : Bald keine Bioeier mehr im Regal?

Vogelgrippe: Arrest für Hühner verunsichert Händler und Käufer. Keine Übertragungsgefahr durch Tauben

Benjamin Hammer

Den Legehennen droht Stubenarrest. Von Mitte September an müssen alle Züchter ihre Hühner zum Schutz vor der Vogelgrippe voraussichtlich rund um die Uhr in den Stall sperren, verkündete die Ministerin für Verbraucherschutz und Landwirtschaft, Renate Künast (Grüne), am vergangenen Freitag. Seither stehen etliche Verbraucher „etwas verunsichert“ vor den Regalen mit Hühnereiern, hat der Geschäftsführer der Berliner Bio Company, Georg Kaiser, beobachtet. „Müssen wir bald auf Bio-Eier von freilaufenden Hühnern verzichten?, fragen die Leute. Aber darauf kann ihnen auch der Chef der größten Berliner Biomarkt-Kette keine klare Antwort geben. Kaiser: „Wir wissen selbst nicht so recht, wie es weitergeht.“

Von Mitte September bis Mitte Oktober werden in Deutschland Zugvögel aus Asien erwartet, die heimisches Geflügel mit dem Virus der so genannten Vogelgrippe anstecken könnten. Deshalb will Ministerin Künast die Tiere möglichst schnell wegsperren. Jeder Kontakt mit wild lebenden Vögeln soll vermieden werden.

Die Züchter haben dafür Verständnis, sie sehen sich aber zugleich in ihrer Existenz bedroht. Besonders die Bio-Produzenten fürchten das ,Aus’, und auch die Händler ihrer Branche treibt die drohende Verordnung um. Denn ein Bio-Siegel bedeutet bei den Eiern nicht nur, dass die Hühner ökologisch gefüttert werden. „Es setzt auch eine artgerechte Haltung voraus“, erklärt Bio-Company-Chef Kaiser. Und dazu gehöre eindeutig der Freiland-Auslauf.

Eier von weggesperrten Tieren lassen sich also nach den geltenden Regeln kaum im Bioladen verkaufen. Jens-Uwe Schade vom Agrar- und Umweltministerium Brandenburg sieht die Probleme ähnlich, er sagt zwar: „Trotz Stallhaltung dürfen die Bauern die Siegel Bio und Freilandhaltung behalten.“ Aber das sei eher eine Beruhigung auf dem Papier und zumindest im Naturkostladen schwer zu vermitteln. Die Biohändler sind verunsichert und kritisieren die Informationspolitik der Behörden. „Die schwenken hin und her zwischen Panikmache und Beruhigung“, sagt Annette Weiß in ihrem Geschäft in der Pohlstraße. Ihre Kunden halten sich bisher am Kühlregal nicht zurück. „Die greifen weiter zu den Eierkartons“ – trotz Vogelgrippe-Schlagzeilen.

Sind auch die vielen Tauben in der Stadt Überträger der Krankheit? „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie sich bei Wildvögeln anstecken“, sagt Robert Rath vom Berliner Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit. Tauben in der Stadt seien „schlechte Wirtstiere“ für das gefährliche Virus. „Bisher ist kein Übertragungsfall vom Wildvogel zur Taube bekannt“, sagt Rath.

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