Balkon verschönern : In der Höhe geerdet

Wie aus einer Bierlaune ein neuer Frühjahrs-Service erwuchs: Zwei Berlinerinnen liefern Pakete zur Balkonbepflanzung.

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Frühling vorm Balkon. Katrin Schübel vom Start-up „Etagen-Erika“ hilft ihrem ersten Kunden bei der Begrünung.
Frühling vorm Balkon. Katrin Schübel vom Start-up „Etagen-Erika“ hilft ihrem ersten Kunden bei der Begrünung.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Frank Krau hat einen Balkon zum Neidischwerden: sonnig, groß, im fünften Stock mit freier Sicht auf den Alex und Blick über die Dächer Prenzlauer Bergs. Nur kahl ist er. „Ich wohne seit eineinhalb Jahren hier und hatte nie so richtig Zeit, meinen Balkon zu verschönern“, sagt der 37-Jährige. „Außerdem kenn’ ich mich mit so was überhaupt nicht aus.“

Deshalb kam es ihm total gelegen, als er von „Etagen-Erika“ hörte. Dabei handelt es sich nicht, wie man erst denken könnte, um ein neues Ikea-Möbel, sondern um das frisch gegründete Do-it-yourself-Balkon-Bepflanzungs-Unternehmen von Susanne Feldbauer und Katrin Schübel. Auf ihrer Website kann man aus diversen Pflanzensets wählen, die dann mit Blumenerde, Gartenhandschuhen, Pflegeanleitung und Blumenkästen direkt auf den Balkon geliefert werden.

Mit dem Do-it-yourself-Gärtnern liegen die beiden voll im Trend. Und jetzt spielt sogar das Wetter mit. Überall wird gepflanzt, jedes noch so kleine Fleckchen Erde auf Bürgersteigen wird verschönert, die Berliner Gemeinschaftsgärten öffnen nach der Winterpause wieder, Hinterhöfe und Baumscheiben erwachen in neuer Farbenpracht.

„Die Idee entstand aus einer Bierlaune heraus. Wir waren mit einer Freundin unterwegs, die erzählte, dass auf ihrem Balkon alles eingeht“, erzählt Katrin Schübel. Sie hat ihre Kindheit größtenteils auf Großmutters Bauernhof in Magdeburg verbracht, da war der grüne Daumen quasi vererbt. Genauso bei der gebürtigen Münchnerin Susanne Feldbauer, die mit Hornbrille und schulterlangem Pagenkopf eher nach Prenzlauer Berg als nach Bayern passt: Das Faible fürs Grüne hat sie von ihrer Mutter, die eine Klostergärtnerei bei München betreibt. Seit die beiden vor fast zwanzig Jahren zum Studieren nach Berlin kamen, toben sie sich auf dem Balkon aus. Und da sie seit jeher ihren Freunden Tipps in Sachen Balkonbepflanzung geben, kam eins zum anderen. „In der Erde buddeln, mit den Händen arbeiten, das macht doch fast allen Spaß und ist dazu noch entspannend“, findet Susanne Feldbauer.

Die beiden sind ehemalige Arbeitskolleginnen, Susanne Feldbauer hat im vergangenen Sommer ihren Job bei einem Berliner Filmverleih gekündigt, Katrin Schübel hat noch bis Dezember gearbeitet und an den Wochenenden Pflanzenkataloge gewälzt und Gärtnereien abgeklappert. „Es war gar nicht so einfach, die richtigen zu finden. Hier in der Region gibt es nicht viele Gärtnereien mit großem Sortiment“, sagt Katrin Schübel. Ganz wichtig: „Wir wollten keine Hollandpflanzen, sondern welche, von denen man lange etwas hat.“ Schließlich sind sie doch fündig geworden: Die Blumen kommen aus einer Gärtnerei in Sachsen-Anhalt, die Kräuter aus der Uckermark und das Gemüse aus Teltow. Das Gemüse, bio versteht sich, braucht wegen des langen Winters aber noch eine Weile und kann erst ab Mai bestellt werden.

„Die Leute haben Lust auf gute Pflanzen, aber meistens gehen sie dann doch in den Supermarkt und kaufen welche für 99 Cent“, glaubt Katrin Schübel. Das Problem für viele Berliner: Wie sollen sie zu den Gärtnereien aufs Land kommen? Dank „Etagen-Erika“ kommen die Pflanzen jetzt zu ihnen.

Nur ein paar Straßen von Frank Kraus Wohnung entfernt haben die beiden in Katrin Schübels Wohnzimmer – alte Dielen, antike Holzkommode, offene Balkontür – ihr provisorisches Büro eingerichtet. Die Wand hängt voller Klebezettel, „Sonnenset Kerzenknöterich“ steht darauf und „Mediterranes Küchenkräuterset“, auf andere sind kleine Symbole gemalt: Sonne, Halbschatten, Schatten, daneben Fotos von verschiedenen Pflanzen. „Bald wollen wir aber in ein richtiges Büro umziehen“, erklärt die 36-jährige Katrin Schübel. Der dicke Pflanzenkatalog 2011–2013 liegt auf der Couch, zerfleddert und gespickt mit Post-its und Notizen. Einen besonders dicken Kringel hat eine Pflanze mit vielen kleinen lila Blüten, Name: Etagenerika. „Viele wissen gar nicht, dass es auch eine Blume gibt, die so heißt“, sagen die beiden. Aber der Name passe, weil er Assoziationen wecke, etwa zu den Etagenbeeten auf dem Tempelhofer Feld und zum Wohnen auf Etagen in Mietwohnungen mit Balkon.

An diesem Wochenende geht es los mit den Auslieferungen, von denen Susanne Feldbauer und Katrin Schübel die meisten an einen Messenger Service abgegeben haben. Bei einer Großbestellung sind sie aber auch selbst dabei und helfen beim Einpflanzen. So wie bei Frank Krau, der gerade anfängt, den großen Karton auszupacken. Noch ein bisschen unsicher streift er sich die Gartenhandschuhe an. Keine fünf Minuten später wühlt er fröhlich in der Erde.

Mehr Infos: www.etagen-erika.de, Sets ab 39,95 Euro.

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